Bluttest to go
Chip identifiziert Krankheiten sofort

Oft vergehen Tage, bis Kranke einen Befund ihrer Blutuntersuchung aus dem Labor erhalten – so verstreicht wertvolle Zeit, in der eine zielsichere Therapie schon hätte greifen können; außerdem ist das Verfahren für alle Beteiligten umständlich und teuer. Das soll sich künftig ändern.

BERLIN. Das soll sich künftig ändern: Am Münchner Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) wurde ein mobiles Labor entwickelt, das in kurzer Zeit in jeder noch so kleinen Arztpraxis sichere Befunde liefern soll.

Herzstück ist ein Biochip, der bis zu 100 Immuntests gleichzeitig durchführen kann. Er ist kaum größer als eine Scheckkarte und soll als Einwegartikel produziert werden. „Mit dem Protein-Biochip-System können beliebig Krankheiten nachgewiesen werden, die auf Antigene reagieren. Das Ergebnis des Immuntests liegt nach zwei Stunden vor“, sagt Projektleiter Karl Neumeier.

Nicht nur das schnelle Ergebnis, sondern auch die umfassende Diagnose von nicht eindeutigen Krankheitsbildern zeichnet das neue Verfahren aus. „Bislang muss ein Arzt bei unklaren Symptomen unter Umständen nacheinander alle denkbaren Krankheiten durchtesten lassen, was Wochen dauern kann“, sagt Neumeier. Für eine übliche Laboruntersuchung wird eine Patientenblutprobe auf nur eine Infektion untersucht. „Das ist wie Schiffe versenken, bis man schließlich einen Treffer landet“, meint Manfred Motz, Geschäftsführer des Münchner Diagnosesystem-Herstellers Mikrogen. Die Firma wird das mobile Labor auf den Markt bringen und war an der Entwicklung beteiligt. Motz rechnet mit Alltagstauglichkeit in zwei Jahren.

In ersten Studien wurden bereits erfolgreich das Blut von Patienten mit Arthritis untersucht. Weiterer Vorteil: „Für die Breitband-Diagnose benötigt man nur einen Milliliter Blut. Das ist gerade für Säuglinge ideal, denen man nicht viel Blut entnehmen kann“, erklärt Neumeier.

Der flüssige Anteil des Blutes, das Serum, wird in einen Vorratsbehälter auf eine Kartusche mit dem Biochip gegeben, von wo aus es über die Analyseschicht im Chip gepumpt wird. Findet eine Reaktion mit Antikörpern statt, leuchten im zeiten Schritt an dieser Stelle fluoreszierende Stoffe auf.

„Die Bedienung dieser universellen Diagnoseplattform ist denkbar einfach, so dass es noch nicht einmal einer Medizinisch-Technischen-Assistentin bedarf“, sagt Motz. Großlabore werden auf diese Weise nicht überflüssig, denn dort sollte, wenn die Krankheit diagnostiziert ist, sicherheitshalber noch mal ein Bestätigungstest durchgeführt werden. „Wir sehen den Markt für das System in Arztpraxen und Krankenhäusern, die bisher aus Kostengründen Untersuchungen ausgelagert haben“, erläutert Motz.

Seite 1:

Chip identifiziert Krankheiten sofort

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%