Bonner Wissenschaftler konnten die gesteigerte Teilungsaktivität der Oberhautzellen normalisieren
Therapie stoppt Schuppenflechte

Zellbiologen der Universität Bonn haben in Koorperation mit der britischen Universtity of Leeds und der Industrie möglicherweise eine neue effektive Therapie gegen die Schuppenflechte entdeckt: Eine bestimmte Gruppe so genannter Metalloproteinase-Inhibitoren kann die gesteigerte Teilungsaktivität der Oberhautzellen normalisieren, die Ursache der unangenehmen Schuppenbildung ist. Toxische Nebenwirkungen konnten die Forscher zumindest in Zellkulturen nicht beobachten.

HB DÜSSELDORF. Rund zwei Millionen Deutsche leiden unter Schuppenflechte. Bei der unheilbaren Erkrankung ist die Regeneration der Oberhaut (Epidermis) enorm beschleunigt: Erneuert sie sich normalerweise innerhalb von knapp vier Wochen, ist diese Zeitspanne bei Schuppenflechte-Patienten auf vier bis sieben Tage verkürzt. Grund ist eine stark erhöhte Teilungsakivität der so genannten Keratinozyten, der Oberhautzellen. Sie bilden eine Schicht, die die Oberhaut von der tiefer liegenden Lederhaut trennt. Von dieser Keimschicht wandern die alternden Zellen immer weiter nach außen und schuppen schließlich ab. Die Krankheit verläuft schubweise. Typische Merkmale sind scharf begrenzte rote Herde, die mit silberweißen Schuppen bedeckt sind.

Eine der Substanzen, die die Keratinozyten zur Teilung anregen, ist das Protein sAPP±. Es entsteht bei der Spaltung eines größeren Eiweißes, des APP. Die Keratinozyten produzieren ein Enzym, das APP zu sAPP± zurechtstutzt: die so genannte ±-Sekretase. Die Wissenschaftler haben nun diese "molekulare Schere" mit so genannten Metalloproteinase-Inhibitoren blockiert. "Dadurch ging die stark erhöhte Teilungsaktivität der Keratinozyten einen Tag nach der Zugabe auf normale Werte zurück", erläutert die Forscherin Christina Siemes, "diese Ergebnissen konnten wir an Hautpräparaten von fünf Schuppenflechte-Patienten bestätigen." Der hemmende Effekt der Metalloproteinase-Inhibitoren klang allerdings innerhalb von 72 Stunden größtenteils ab.

Die Wissenschaftler konnten selbst bei fünffacher Wirkstoff-Konzentration keine toxischen Nebenwirkungen beobachten. "Die Behandlung mit den von uns untersuchten Metalloproteinase-Inhibitoren scheint eine neue und sehr vielversprechende therapeutische Option gegen Schuppenflechte zu sein", sagt der Bonner Zellbiologe Volker Herzog, der das Projekt leitete. "Wir haben damit aber sicherlich nicht das Ei des Columbus gefunden - jede Haut reagiert schließlich anders." Zudem lindern die Substanzen lediglich die Symptome und bekämpfen nicht das zugrunde liegende Übel: Die chronische Entzündung der Haut aufgrund permanenter Angriffe durch das körpereigene Immunsystem, auf die die Oberhautzellen mit fieberhafter Teilungsaktivität reagieren.

Die Wissenschaftler wollen ihr Verfahren nun im Tierversuch an Nacktmäusen testen, denen sie Hautgewebe von Schuppenflechte-Patienten transplantiert haben. Die Wirkstoffe wollen sie dabei lokal in Form einer Crème verabreichen. In Kürze sind zudem erste Tests am Menschen geplant. Ihre aktuellen Ergebnisse erscheinen im "Journal of Investigative Dermatology".

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