„Bouldern“ gegen das Stimmungstief
Einfach aus der Depression rausklettern

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„Da hört das Hirn von ganz allein auf zu grübeln“

Dass Sport bei Depressionen helfen kann, sei inzwischen durch zahlreiche Studien gut belegt, sagt Andreas Ströhle, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité. Durch die Aktivität komme es zu verschiedenen Veränderungen im Körper: Die „Glückshormone“ Serotonin und Dopamin sowie bestimmte Nervenwachstumsfaktoren seien besser verfügbar; und auch auf das Stresshormonsystem wirke sich Bewegung langfristig positiv aus.

„Da durch körperliche Aktivität verschiedene Mechanismen gleichzeitig in Gang gesetzt werden, wird man nicht den einen Faktor finden, der alles erklärt“, sagt Ströhle. „Vielmehr wird es eine Mischung aus unterschiedlichen biologischen und psychologischen Veränderungen sein, die mit daran beteiligt sind, dass Sport gegen Depressionen oder Ängste wirkt.“

Fahrrad fahren, Laufen oder Schwimmen - welchen Sport man macht, sei weniger entscheidend. „Es gibt auch erste Arbeiten, die Rumbatanzen als antidepressiv beschreiben.“ Und Tischtennisspielen in der Gruppe habe einen so guten akuten antidepressiven Effekt wie kaum eine medikamentöse Behandlung, sagt Ströhle.

Wichtig sei, dass der Sport den Patienten Spaß macht und sie daher bei der Stange bleiben. Dabei müsse der Therapeut sie aktiv unterstützen. „Die Empfehlung „Mach doch mal was!“ hilft schon bei Gesunden nicht, bei Depressiven dreimal nicht.“

Neben biologischen Prozessen könnten beim Bouldern zudem psychologische Mechanismen genutzt werden, um Menschen mit Depressionen oder Angsterkrankungen zu helfen, sagt er. Psychologin Luttenberger erklärt die Wahl des Boulderns unter anderem damit: „Bei Depressionen sind Grübelschleifen sehr häufig. Beim Radeln oder Laufen kann ich sehr gut weitergrübeln, beim Bouldern dagegen bin ich automatisch im Hier und Jetzt.“ Das sei evolutionär bedingt: „Ich will einfach nicht runter fallen, da hört das Hirn von ganz allein auf zu grübeln.“

Auch die anderen Teilnehmer seien wichtig, sagt Lina. „Wenn man Erfahrungen in der Gruppe macht, schweißt das zusammen. Mir hilft auch, dass andere die gleichen Probleme haben wie ich.“ Um am Ende zu wissen, was nun genau geholfen hat - die Gruppe, die Bewegung, der Trainer oder doch das Bouldern an sich - seien die Kontrollbedingungen entscheidend, sagt Ströhle von der Charité.

Lina jedenfalls hat sich selbst schon mehrmals überrascht: „Mir bringt das Bouldern vor allem immer wieder Erfolgserlebnisse.“ Sie lerne, neue Sachen auszuprobieren, ohne zu schnell aufzugeben.

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