Brechdurchfall
So gefährlich sind Noroviren

Es können Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs sein oder Schüler auf Klassenfahrt: Immer wieder setzen Noroviren ganze Gruppen von Menschen schachmatt. Eine aktuelle Studie zeigt, wie verbreitet die Viren tatsächlich sind.
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London/AtlantaDie gefürchteten Noroviren sind für fast jede fünfte Magen-Darm-Erkrankung weltweit verantwortlich. 18 Prozent der erfassten Fälle von Brechdurchfall werden von den Viren ausgelöst, ergab eine im britischen Fachjournal „The Lancet“ vorgestellte Studie. Der Erreger sei so ansteckend, dass schon 18 Viren für eine Ansteckung ausreichten, schreiben die Forscher –  und allein in einem Gramm menschlichen Stuhls fänden sich bereits eine Milliarde davon.

Das Team um Benjamin Lopman vom US-Zentrum für Seuchenbekämpfung und -vorbeugung in Atlanta hatte Daten aus 175 Publikationen berücksichtigt. Mehr als 187.000 Fälle von Brechdurchfall der vergangenen Jahre aus 48 Ländern waren darin erfasst.

Auf Notfallambulanzen und stationäre Klinikaufenthalte entfielen demnach nur 17 Prozent der Noroviren-Fälle. Die Erreger verursachten also keineswegs nur die gefürchteten schweren, sondern sehr oft auch leichte Verläufe, schreiben die Forscher. Allein die schiere Menge an Infektionen sorge aber für viele schlimme Erkrankungen – allein in den USA gingen rund 800 Todesfälle jährlich auf Noroviren zurück.

Das Vorkommen in Entwicklungsländern ist ähnlich dem in industrialisierten Ländern. „Das zeigt, dass Noroviren anders als Bakterien und Parasiten nicht einfach durch eine verbesserte Trinkwasser - und Sanitärsituation kontrolliert werden können“, so Lopman.

Die Analyse war von der Weltgesundheitsorganisation und dem niederländischen Gesundheitsministerium mitfinanziert worden. An Brechdurchfall sterben demnach 1,45 Millionen Menschen jährlich, in Afrika und Südostasien verursacht er mehr als ein Viertel der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren.

Noroviren werden vor allem dort zum Problem, wo Menschen eng beieinander sind und am selben Buffet speisen: bei Kreuzfahrten zum Beispiel, Klassenfahrten oder auch in Kindergärten. Einen Impfstoff gegen Noroviren gibt es noch nicht.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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