Buchrezension Du entscheidest, wie Du alterst

Es sind nicht nur die Gene, die über das Altern entscheiden. Das hat die Medizin-Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn herausgefunden. In ihrem neuen Buch verrät sie nicht nur warum, sondern auch wie das funktioniert.
  • Philipp Schaffranek
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Der frühere US-Präsident ist in seinen Amtszeiten gealtert. Die Bild-Kombination zeigt ihn 2009 und 2016 (rechts). Quelle: dpa
Barack Obama

Der frühere US-Präsident ist in seinen Amtszeiten gealtert. Die Bild-Kombination zeigt ihn 2009 und 2016 (rechts).

(Foto: dpa)

DüsseldorfNur wer die Beiden gut kennt, kann es wissen: Kara und Lisa sind gleichalt. Und dass, obwohl Kara viel älter aussieht und öfters krank ist, während Lisa ein gesundes Leben führt. Es könnte der Stress sein, der sie älter macht, mutmaßt Kara. Den aber haben beide – sowohl beruflich als auch privat. Aber was ist der Grund dafür, dass Menschen unterschiedlich altern? Klar, es sind die Gene. Aber das ist noch nicht alles.

Die Medizin-Nobelpreisträgerin und Molekularbiologin Elizabeth Blackburn behauptet, dass jeder etwas dafür tun kann, langsam und gesund zu altern. „Die Entschlüsselung des Alterns“ heißt das Buch, das sie gemeinsam mit der Gesundheitspsychologin Elissa Epel geschrieben hat. Darin erklären die Forscherinnen, warum Menschen altern und warum manche auch noch schneller altern als andere. Dabei ist das Buch nicht nur ein Biologie-Sachbuch, sondern gleichzeitig ein Ratgeber mit Tipps für ein gesundes und langsames Altern.

Das Buch setzt auf der Ebene der menschlichen Zellen an. Genauer: In den Zellkernen, in denen die Chromosomen zu finden sind. Chromosomen sind die Träger des menschlichen Erbguts. Damit ein Mensch gesund bleibt, müssen sich die Zellen und damit auch die Chromosomen teilen. Hier kommen die Telomere ins Spiel, für deren Erforschung Blackburn den Nobelpreis verliehen bekam: Sie befinden sich an den Enden der Chromosomen.

Blackburn vergleicht Telomere mit den Schutzkappen von Schnürsenkeln. Wie diese verhindern, dass Schnürsenkel ausfransen, schützen die Telomere die Chromosomen bei der Zellteilung. „Wie muskulöse Footballspieler, die einen Quarterback abschirmen und die härtesten Schläge von den anstürmenden gegnerischen Spielern einstecken, opfern sich auch Telomere für das Team“, schreiben die Forscherinnen.

Diese Ernährungssünden sollten Sie vermeiden
Auf das Frühstück verzichten
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Schon bevor Sie im Büro sind, können Sie eine Sache falsch machen: Das Frühstück ausfallen lassen. Denn wer morgens nicht frühstückt, dem fehlt die Energie für den Tag. Gehören Sie zu den Menschen, die morgens nur schwer etwas essen können? Nehmen Sie ihr Frühstück einfach mit ins Büro und essen es dort.

Falsche Zwischenmahlzeiten
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Wenn der Heißhunger am Nachmittag kommt, greift der Büroarbeiter schnell mal zum Schokoriegel oder anderen Süßigkeiten. Das Problem: Sie liefern zwar sofort Energie und erhöhen den Blutzuckerspiegel, dieser fällt aber auch schnell wieder ab – und man hat wieder Hunger. Bessere Alternativen sind da Nüsse, Obst und Gemüse oder ein Joghurt.

Nicht genügend trinken
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Bei einer ausgewogenen Ernährung ist es auch wichtig, genügend zu trinken. Denn auch bei gesunder Ernährung führt Flüssigkeitsmangel zu Kopfschmerzen und Antriebslosigkeit. Als guter Richtwert gelten anderthalb bis zwei Liter am Tag.

Das Falsche trinken
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Wichtig bei der Flüssigkeitsaufnahme ist es aber auch, das richtige zu trinken. Besonders auf zuckerhaltige Getränke wie Cola und Limo sollten Sie verzichten. Greifen Sie stattdessen lieber zu Mineralwasser oder Tee. Auch Kaffee kann zu den empfohlenen anderthalb bis zwei Litern hinzu gerechnet werden. Wegen des Koffeins sollten Sie den aber nur in Maßen genießen.

Vor dem Computer essen
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Gerade wer wenig Zeit hat und im Stress ist neigt dazu, die Mittagspause vor dem Bildschirm zu verbringen. Dabei ist die zur Entspannung da. Versuchen Sie stattdessen wirklich eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen und ihr Essen an einem anderen Ort einzunehmen. Das hilft auch bei der Verdauung und sorgt durch das bewusstere Essen für ein längeres Sättigungsgefühl.

Gesundes Essen fettig machen
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Selbst wenn Sie sich extra einen frischen Salat gemacht haben, lauert noch eine Gefahr: das Dressing. Wer sich hier zu viel des Guten gönnt, macht auch das gesündeste Essen zur Kalorienbombe. Aus dem gleichen Grund sollten Sie auch auf die Mayonnaise auf dem Vollkorn-Sandwich verzichten.

Zu viel Fleisch essen
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Ob als Wurst auf dem Brot oder als Schnitzel beim Imbiss. Fleisch wird schnell zum Teil der Büroernährung. Dabei sollten selbst überzeugte Fleischesser versuchen, pflanzliche Lebensmittel zur Grundlage ihres Essens zu machen. Ganz darauf verzichten müssen Sie trotzdem nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt als ungefähren Richtwert 300-600 Gramm fettarmes Fleisch pro Woche an.

Blackburn schreibt nicht, wie man es von einer Molekularbiologin erwarten könnte. Sie und Epel erzählen Geschichten aus ihrem Forscherinnen-Leben. Sie beschreiben, wie sie geforscht haben, wie sie sich über Forschungsergebnisse gefreut haben und was sie währenddessen angetrieben hat. Das ist spannend. Auch, weil sie dafür Beispiele finden, die so nah an der Alltagswelt der Leser dran sind, dass jeder sie gut versteht. Außerdem lockern die Beispiele das Buch auf. Stellen, an denen der Leser im Buch zurückblättern muss, weil etwas schwer verständlich ist, gibt es kaum.

Zurück zum Thema: Der Grund für das Altern sind die Telomere. Bei jeder Zellteilung werden sie kürzer. Doch je kürzer die Telomere werden, desto weniger können sie die Chromosomen schützen. Dann kann es zu Fehlern bei der Zellteilung kommen. Der Mensch altert und wird krankheitsanfällig.

Erst dachten Forscher, die Länge der Telomere sei genetisch vorherbestimmt und das sei der Grund, warum Menschen unterschiedlich altern. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Blackburn fand heraus, dass es Enzyme gibt, die Telomere auch wieder verlängern. Der Prozess nennt sich Telomerase.

Deutschlands beliebteste Bohne
Woher stammt die Kaffeebohne?
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Die drei größten Kaffeeproduzenten der Erde sind Brasilien, Vietnam und Kolumbien. Erst auf Platz 5 folgt Äthiopien und damit das Ursprungsland der Bohne. Die wilden Vorfahren der Arabica-Sorte stammen aus den Bergwäldern des Landes. Noch heute wachsen sie hier und liefern die Grundlage für einen besonderen Wildkaffee.

Wie kam der Kaffee zu uns?
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Sicher belegt ist der Kaffeegenuss erst in den Erzählungen von Ahmed al-Ghaffar aus dem Jemen, der sie Mitte des 15. Jahrhunderts niederschrieb. Händler hatten die Bohnen von Äthiopien auf die Arabische Halbinsel gebracht; noch ist der genaue Weg allerdings nicht geklärt. Hier wurden sie erstmals geröstet und aufgebrüht.

Vom Jemen aus verbreitete sich der Kaffee im Vorderen und Mittleren Orient und in Nordafrika, 1670 wurden die ersten Bohnen nach Indien geschmuggelt. Europäischen Boden erreichte das Heißgetränk über die Handelsroute zwischen Ägypten und Venedig. Schon 1583 hatte der deutsche Arzt Leonhard Rauwolf über den Genuss und die Wirkung von Kaffee berichtet. Er war womöglich der erste Europäer, der davon trank.

Welcher Kaffee ist der exklusivste?
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Wer Kopi Luwak genießen möchte, muss mindestens 30 Euro für ein 125 Gramm schweres Päckchen der Koffeinspezialität aus Indonesien investieren. Der hohe Preis liegt in der einzigartigen Entstehungsgeschichte des Kaffees begründet, denn die Bohnen müssen den Darm von Fleckenmusangs passieren. Die Verdauungssäfte dieser Schleichkatze sorgen für eine gewisse Fermentierung der unverdaulichen Kaffeebohnen: Es entstehen charakteristische Geschmacksnuancen mit einem besonders exquisiten Aroma.

Warum macht Zucker den Kaffee weniger bitter?
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Viele Menschen schätzen Kaffee gerade wegen seines bitteren Geschmacks, andere bekommen ihn nur mit großen Mengen Zucker hinunter. Dabei übertüncht das Süßungsmittel nicht einfach nur die Bitterstoffe, es verändert das Getränk auch auf molekularer Ebene.

Wegen ihrer Polarität besitzen Zucker und Wasser eine hohe Affinität zueinander. Umgekehrt versuchen die Koffeinmoleküle die Zuckerlösung zu „meiden“, weshalb sie sich zusammenlagern. Dadurch verringert sich ihre Oberfläche, und sie bedecken in geringerem Maß die Bitterrezeptoren auf der Zunge: Der Kaffee verliert seine Bitterkeit.

Wer fliegt sonst noch auf Koffein?
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Auch Bienen lieben Koffein: Haben sie die Wahl zwischen einer Blüte, die ihnen mit dem Nektar auch Koffein bietet, bevorzugen sie diese – und kehren häufiger zu ihr zurück. Und sie führen ihre Artgenossen öfter zu dieser Nahrungsquelle.

Auf viele andere Arten hat Koffein dagegen eine eher abschreckende Wirkung. Neben den Kaffeesträuchern produzieren auch andere Pflanzen Koffein, das sie unter anderem in ihren Blättern einlagern. Mit dem Bitterstoff wollen sie Pflanzenfresser abschrecken.

Hält Kaffee wach – oder macht er vielleicht sogar müde?
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Die salomonische Antwort darauf lautet: Es kommt darauf an. Der morgendliche Kaffee gilt als Muntermacher, was auf den ersten Blick auch völlig zutrifft. Denn das Alkaloid Koffein bindet an Rezeptoren von Nervenzellen im Gehirn und verhindert, dass sich Adenosin dort anlagert. Dieses bremst wiederum die Aktivität der Neurone und macht dadurch müde.

Solange das Koffein das Adenosin behindert, regt der Kaffee das Gemüt also an. Allerdings tritt bei Dauerkonsumenten irgendwann ein Gewöhnungseffekt ein, denn ihr Hirn bildet mehr Rezeptoren aus, so dass auch das Adenosin zum Zug kommt. Gelegentliche Kaffeekonsumenten bemerken daher die stärkste Hallo-wach-Wirkung.

Kann Kaffee die Artenvielfalt erhalten?
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Kaffee gehört zu den wichtigsten Exportgütern von Staaten aus den Tropen, sein Anbau gilt als eine der treibenden Kräfte für die Umwandlung von natürlichen Wäldern in Plantagen. Doch das müsste gar nicht sein, denn ursprünglich stammen die hochwertigsten Bohnen von Coffea arabica, einem Schattengewächs: Der Strauch gedeiht am besten im Unterwuchs von Bergwäldern. Bei der Wildform ist das noch heute der Fall.

Die Pflanze kann daher naturschonend angebaut werden, indem nur das Unterholz ausgelichtet und dort Kaffee gepflanzt wird, während die Schattenbäume stehen bleiben. Untersuchungen zeigen, dass derartige Kaffeewälder eine Artenvielfalt aufweisen, die der in ursprünglichen Bergregenwäldern kaum nachsteht.

Wie stark der Körper seine Telomere wieder verlängert, kann jeder selbst beeinflussen. Und an dieser Stelle wird das Buch zum Ratgeber. Blackburn und Epel geben Tipps: Wer gesund denkt, gesund isst, gute zwischenmenschliche Beziehungen pflegt, kurbelt die Telomerase an. Wer Stress als Herausforderung sieht, altert gesünder als jemand, der sich von Stress bedroht fühlt. Sie zeigen, dass Menschen mit engen sozialen Beziehungen längere Telomere haben und deswegern langsamer altern.

Hinter dem Buch steckt eine besondere Motivation der Forscherinnen. Sie wollen ihre Entdeckungen mit vielen Menschen teilen. Sie wollen aber auch einen Appell an die Gesellschaft richten: „Was gut für unsere Telomere ist, ist auch gut für unsere Kinder, unsere Gemeinschaft und die Menschheit insgesamt.“ Die Menschen sollen sich um ihre Telomere kümmern, denn dann geht es allen gut, ist ihre Botschaft. Das klingt ein bisschen pathetisch, wenn sie zum Beispiel schreiben, dass ja dann mehr Zeit für politisches und gesellschaftliches Engagement bleibe. Wer weiß schon, was die Menschen anstellen, wenn sie länger leben?

Abgesehen davon gibt „Die Entschlüsselung des Alterns“ einen gut erzählten Einblick in den biologischen Alterungsprozess. Doch neben Wissenschaft sollte der Leser gleichzeitig Ratgeber mögen. Verständlich erklären die Forscherinnen ihre Forschungsergebnisse und geben eine Anleitung für ein gesundes Leben. Darauf muss sich der Leser einlassen können und wollen. Wer sich hingegen ausschließlich für die Telomerforschung interessiert, sollte andere Fachbücher suchen.

Elizabeth Blackburn, Elissa Epel: „Die Entschlüsselung des Alterns: Der Telomer-Effekt“. Mosaik-Verlag, München, 463 Seiten, 24 Euro.

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