Medizin
Chirurgen: Sparkurs erschwert Sicherheit

Fünf bis zehn Prozent der Patienten in deutschen Krankenhäusern bekommen Komplikationen. Bei rund der Hälfte davon - also bei 2,5 bis fünf Prozent aller Patienten - ist ein Behandlungsfehler Ursache für Komplikationen.

dpa MÜNCHEN. Diese Zahlen nannte Prof. Matthias Schrappe, Ärztlicher Direktor am Klinikum der Marburger Philipps-Universität, am Dienstag in München beim 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (Dgch). Zur Reduzierung von Fehlern werde am kommenden Montag in Düsseldorf das Aktionsbündnis Patientensicherheit gegründet.

Der anhaltende Sparkurs im Gesundheitswesen erschwert nach Chirurgenansicht alle Anstrengungen für mehr Patientensicherheit massiv. „Immer weniger Ärzte müssen immer mehr Patienten in immer weniger Zeit behandeln“, sagte der Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz auf dem Kongress. „Damit bleibt automatisch ein gewisses Sicherheitspotenzial auf der Strecke.“ Um so wichtiger sei die vom Kongress angestoßene Debatte um Strategien zur Vermeidung von Behandlungsfehlern.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit unter Beteiligung der Bundesärztekammer und anderer Organisationen plane auch eine Status- Erhebung zu Behandlungsfehlern in deutschen Kliniken. Denn anders als in den USA und anderen Ländern gebe es dazu in Deutschland bisher keine Studien, sagte Schrappe. Wenn man die Ergebnisse der USA auf Deutschland herunterrechne, müsse man von 10 000 bis 30 000 Toten durch Behandlungsfehler in deutschen Kliniken ausgehen. Die Studie solle nun verlässliche Daten bringen.

Das Aktionsbündnis plant nach den Worten von Schrappe zunächst drei Schwerpunkte für mehr Patientensicherheit. So könnten zum Problem der Seitenverwechslung bei Operationen Vorsichtsmaßnahmen wie eine bessere Kennzeichnung der Operationsseite ergriffen werden, die in Deutschland weitgehend noch nicht üblich seien. „Eine Verwechslung der rechten und linken Seite ist ein katastrophales Ereignis - das passiert zwar selten, aber es passiert.“ Weitere Schwerpunkte sollen Maßnahmen gegen die Verwechslung von Patientendaten etwa bei der Blutabnahme und gegen falsche Arznei-Verabreichung sein. „Alle reden über Nebenwirkungen, aber niemand spricht über falsche Verordnung von Medikamenten.“

Dgch-Generalsekretär Hartwig Bauer betonte: „Operieren ist eine gefahrengeneigte Tätigkeit, das können wir nicht wegdiskutieren.“ Bei Operationen könnten trotz aller Sorgfalt immer Komplikationen auftreten. „Ein Fehler liegt erst dann vor, wenn die Sorgfaltspflicht verletzt wurde.“

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