Climecs-Gründer Jan-Michael Heinrich
Herr der Siebe

Biotech à la Aschenputtel: Jan-Michael Heinrich sortiert märchenhaft leicht Zellen aus dem Blut. Noch dieses Jahr will er sein System präsentieren. Die Anwendung in der biologischen Forschung soll aber nur ein Zwischenschritt sein: Es lockt der große Markt der Diagnostik.

DÜSSELDORF. Herzblut ins eigene Unternehmen stecken - für Jan-Michael Heinrich ist das mehr als eine Floskel. Der Biotech-Gründer hat schon öfter für seine Firma Blut gelassen, und selbst die Mitarbeiter ließen sich röhrchenweise anzapfen. Für das Leipziger Start-up Climecs ist Blut das Lebenselixier. Schließlich will Heinrich ein System auf den Markt bringen, das gezielt Zellen aus dem roten Saft sieben kann. Für dessen Weiterentwicklung brauchen die Forscher vor allem eins: echtes Testmaterial.

Blutzellen sind winzig, etwa tausendmal kleiner als ein Stecknadelkopf. Selbst in Heinrichs Spezialsieb bleiben die Zellen nicht ohne weiteres hängen. "Wir mischen daher das Blut mit speziell entwickelten Partikeln, an die die gewünschten Zellen binden. Die werden dann wegen ihrer Größe vom Sieb zurückgehalten", erklärt Heinrich. Biotech à la Aschenputtel: Die gebundenen Zellen bleiben im Sieb-Töpfchen hängen, die restlichen rauschen einfach durch. Einmal nachspülen, und fertig ist die Blutwäsche der besonderen Art.

Klingt im Prinzip simpel. "Das habe ich am Anfang auch gedacht", lacht der 33-Jährige. Heinrich könnte mit seinem nach oben gestylten Kurzhaar und dem dezent gestreiften Hemd auch als aufstrebender BWLer durchgehen. Doch er ist Humanbiologe - und nach dem Diplom in seiner Heimatstadt Greifswald kam er "eher überraschend" zum Unternehmertum, wie er sagt. Sein Vater, selbst Biotech-Unternehmer, gab im Jahr 2005 den entscheidenden Anstoß. Er bot seinem Sohn ein in seiner Firma Bioserv entstandenes Patent als Basis für die Existenzgründung an.

Kurz zögerte der Junior. Eigentlich wollte er noch ein paar Jahre Erfahrung als Forscher sammeln. "Und irgendwo musste das Geld ja auch herkommen", sagt Heinrich, dessen Frau damals noch Sinologie studierte. Was tun? Kurz vor Weihnachten wird der Familienrat einberufen. Thema des Plenums: eine Finanzierung der Biotech-Gründung durch die Familie. Heinrich stellt sich den kritischen Fragen der Angehörigen - vor allem die Mutter und die eigene Frau sind skeptisch. "Die wollten sehen, ob ich auch wirklich überzeugt bin von meiner Idee", sagt er.

Heinrich meistert die Due-Diligence-Prüfung mit Christstollengeschmack: Die Familie stellt gemeinsam die erste Finanzierungsrunde auf die Beine, jeder zahlt nach seinen Möglichkeiten in den firmeneigenen Familienfonds. Sogar die Oma, stolz auf ihren ambitionierten Enkel, macht Rentenersparnisse für das Start-up locker. Eine Finanzierung durch die Firma des Vaters kam für Heinrich nicht infrage - denn Eigenständigkeit war ihm wichtig: "Wenn man in die Fußstapfen des Vaters tritt, steht man leicht in seinem Schatten", sagt er. Daraus hervorzutreten sei schwer.

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