Computertechnik
Mit der Patientenkarte ins Netz

Ein komplexes Datennetz verbindet künftig das ganze Gesundheitswesen. Nach vielen Verzögerung sollen ab April die ersten Praxistests mit der "elektronischen Gesundheitskarte" Karte in starten. Die Gesundheitskarte vernetzt Ärzte, Kliniken und Apotheken.

MÜNCHEN. „Mit dieser Chipkarte meldet sich der Arzt am System an“, sagt Martin Prätorius und steckt ein Plastikkärtchen im Kreditkartenformat in ein Lesegerät. Von dort wandern die Daten in einen grauen Kasten namens „Konnektor“, der über das Internet eine verschlüsselte Abfrage an eine zentrale Datenbank schickt.

Die Anlage steht in keiner Arztpraxis, sondern in einem Labor des Elektronikriesen Siemens in München-Perlach. Und Martin Prätorius ist auch kein Arzt, sondern verantwortlicher Manager für Telematikanwendungen im Gesundheitswesen der Siemens Communications Sparte.

Die Grundlagen für die Einführung der Technologie in die Praxen sind allerdings gelegt. Denn mit dem Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung hat die damalige Regierung im Sommer 2003 den Aufbau einer einheitlichen IT-Infrastruktur im Gesundheitswesen beschlossen. Besser bekannt wurde das Projekt unter dem Namen „elektronische Gesundheitskarte“. Nach vielen Verzögerung sollen ab April die ersten Praxistests mit der Karte in acht Bundesländern starten.

Die Karte ist ein Bestandteil der Vernetzung des Gesundheitssystems – ein IT-Mammutprojekt, dessen Kosten wohl zwischen 1,4 und 4 Milliarden Euro liegen werden, je nachdem, ob man den Prognosen des Bundesgesundheitsministeriums oder dem Bundesverband der Privaten Krankenversicherung glauben möchte. In jedem Fall versprechen sich Technologieanbieter wie Siemens, SAP oder der Kartenhersteller Giesecke und Devrient große Aufträge.

Denn das Projekt beeindruckt schon alleine durch seine Größenordnung: Rund 80 Millionen gesetzlich und privat Kassenversicherte sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2006 eine elektronische Gesundheitskarte erhalten. Mehr als 200 000 Ärzte, 2200 Krankenhäuser, 21 000 Apotheken sowie Krankengymnastikpraxen, Sanitätshäuser und nicht zuletzt mehr als 300 Krankenkassen werden sich vernetzen. „Insgesamt gibt es rund eine halbe Million Leistungserbringer im Gesundheitssystem“, schätzt Siemens-Experte Prätorius. Die Herausforderung des Projektes liegen weniger in der Technologie als in der Planung, Abstimmung und dem Rollout.

Bei der Gesundheitskarte handelt es sich um eine Chipkarte, auf der 256 Kilobyte Daten abgelegt werden können. Das reicht für Personalien sowie einige Notfalldaten wie die Blutgruppe, die freiwillig auf der Karte gespeichert werden können. Doch weder Arztbriefe noch Röntgenbilder, nicht einmal das elektronische Rezept werden auf der Karte selbst gespeichert. Diese Dokumente fließen in ein riesiges Computernetz aus Servern und Speichereinheiten, zu der die Karte nur ein Schlüssel ist. Jede Praxis und jede Apotheke muss einen „Konnektor“ installieren, um Zugang zum System zu erhalten .

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