Deutscher Internistenkongress
Langes Leben muss nicht teuer sein

Altsein wird in den kommenden Jahrzehnten anders aussehen als heute. „Ältere Menschen werden deutlich länger gesund sein und aktiv bleiben“, sagte die Soziologin und Bevölkerungsforscherin Hilke Brockmann am Rande des Deutschen Internistenkongresses in Wiesbaden in einem dpa-Gespräch.

dpa WIESBADEN/BREMEN. „Auch deshalb tritt allein die Tatsache, dass die Zahl der alten Menschen steigt, noch keine Kostenlawine los - auch wenn es in vielen aktuellen Debatten und Büchern zur "Überalterung" so scheinen mag“, erläuterte die Professorin der Universität Bremen. Reine Zahlen gäben nicht wirklich Aufschluss über wahrscheinliche gesellschaftliche Veränderungen.

„So ist es voreilig zu schlussfolgern, dass der rasche Anstieg der Zahl der 65-Jährigen in Zukunft auch zu einem raschen Anstieg der Gesundheitskosten führt“, berichtete Brockmann aus Studien, die sie beim Internistenkongress präsentiert. „Denn nicht das Alter eines Menschen gibt Aufschluss, wie gesund oder krank er im Durchschnitt ist und damit über seine Gesundheitskosten, sondern seine Nähe zum Tod.“ Und die verschiebe sich immer weiter ins höhere Lebensalter. „Ferner spielt der medizinische Fortschritt eine wichtige Rolle, um zukünftige Kosten im Gesundheitswesen vorherzusagen.“

Die gegenwärtigen Probleme der Sozialkassen durch die schwache Konjunktur und hohe Arbeitslosigkeit dürften aber nicht einfach mit der Debatte über die Alterung vermischt werden, sagte Brockmann. Die wenigen Kinder und die steigende Neigung von Frauen, erwerbstätig zu sein, entlasteten aktuell den Sozialstaat. „Und für die Zukunft sollte die Vorstellung, dass man mit plus-minus 60 Jahren in Rente geht, kein ehernes Gesetz sein, zumal viele von uns künftig im hohen Alter topfit sind“, unterstrich sie. Wichtig sei, dass die jüngeren Alten nicht länger als Gruppe von „Transfer-Empfängern“ gesehen würden, sondern auch als Zahler. „Für die Gesundheitskosten werden die jüngeren Alten vermutlich künftig mehr als bisher bezahlen müssen.“

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