Diabetes-Therapie
Pharmabranche testet Insulin-Alternativen

Diabetes ist weltweit eine verbreitete Volkskrankheit. Ein lukratives Geschäft für die Pharmabranche- könnte man annehmen. Doch die Entwicklung neuer Produkte zur Insulintherapie hat sich für viele Hersteller zum unkalkulierbaren Risiko entwickelt. Etliche neue Produkte wurden bereits wegen hoher Sicherheitsrisiken gestoppt.
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FRANKFURT. Der Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes hat sich für die Pharmabranche als ein ebenso attraktives wie schwieriges Geschäftsfeld entpuppt. Mit einem globalen Umsatz von 27,3 Mrd. Dollar avancierten Diabetesmedikamente 2008 zur viertwichtigsten Einzelkategorie der Pharmabranche. Die Marktperspektiven sind angesichts sgteigender Erkrankungsraten in fast allen Regionen der Welt – im Prinzip – glänzend. Die WHO etwa schätzt, dass 2050 weltweit rund 370 Mio. Diabeteskranke versorgt werden müssen, doppelt so viele wie noch im Jahr 2000.

Auf der anderen Seite hat sich die Arbeit an neuen Diabetes-Medikamenten in den letzten Jahren als schwierig und riskant erwiesen. Mehrere Neuentwicklungen wie auch etablierte Produkte gerieten wegen Sicherheitsrisiken in die Schusslinie. Prominenteste Opfer dieser Entwicklung waren die Neuentwicklung Galvus von Novartis und das bereits etablierte Antidiabetikum Avandia von Glaxo-Smithkline.

Die einst hochgelobte Neuentwicklung Galvus scheiterte wegen Sicherheitsbedenken an der US-Zulassung und fristet in Europa ein Schattendasein. Avandia geriet wegen möglicher Herz-Kreislaufrisiken ins Kreuzfeuer und verbuchte seither massive Umsatzeinbußen. Branchenführer Pfizer war 2005 mit dem Versuch, ein inhalierbares Insulin auf dem Markt zu etablieren, komplett gescheitert.

Eine Debatte über die Risiken zeichnet sich inzwischen auch für die Insulin-Analoga ab. So deuteten jüngst mehrere epidemiologische Studien auf Basis von Krankenkassen-Daten darauf, dass das Insulinpräparat Lantus von Sanofi-Aventis bestimmte Krebserkrankungen fördern könnte. Diese heftig umstrittenen Analysen erlauben nach Einschätzung von Fachleuten bisher keinerlei Rückschlüsse über kausale Zusammenhänge und werden selbst von der US-Arzneibehörde FDA kritisiert. Dennoch dürften sie nach Erwartung von Fachleuten das Marktgeschehen zulasten von Lantus beeinflussen und die Position des französischen Pharmakonzerns in den Verhandlungen um Preise und Erstattungsbeträge schwächen.

Möglicherweise tragen sie sogar mit dazu bei, den Vormarsch der Insuline in der Diabetes-Therapie generell zu bremsen. Analysten von JP Morgan zum Beispiel verweisen darauf, dass die Debatte um Lantus vor dem Hintergrund eines Paradigmenwandels stattfindet. Der könnte darauf hinauslaufen, dass sich die Diabetes-Therapie generell von der Fokussierung auf Blutzucker-Werte abwendet.

Das wiederum dürfte in den nächsten Jahren die Position einer neuen Klasse von oralen Diabetesmedikamenten stärken, mit denen möglicherweise die Insulintherapie länger hinausgezögert werden kann. Große Hoffnungen ruhen hier vor allem auf so genannten Inkretin-Mimetika. Das sind Substanzen, die die Wirkung bestimmter Darm-Hormone nachahmen und auf diese Weise den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflussen. Bestätigen sich bisherige Testergebnisse, könnten sich diese Medikamente im Laufe der nächsten Jahre zu einer wichtigen Ergänzung oder Alternative für etablierte Diabetesmittel entwickeln.

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