Diagnose
Feinfühlige Apparate erlernen das Abtasten

In der Gerätemedizin besinnen sich die Hersteller auf eine der ältesten Untersuchungsmethoden schlechthin: das Abtasten. Verhärtungen im Gewebe liefern Hinweise auf diverse Krankheiten - Ärzte erfühlen zum Beispiel bis heute Knoten oder derbes Gewebe als Warnzeichen für Krebs. Nun verleihen Medizintechnikanbieter auch Ultraschallgeräten das nötige Fingerspitzengefühl.

BERLIN. Elastographie heißt die Methode, bei der das Gewebe in Schwingung versetzt wird. Die Ausbreitung der Schwingungen zeigt die Härte des Gewebes an. Den breitesten Einsatz findet die Elastographie bislang bei Leberuntersuchungen. Die Härte des Gewebes lässt Rückschlüsse zu auf Entzündungen wie Hepatitis und andere Erkrankungen. Dabei liefert das manuelle Abtasten jedoch nur erste Hinweise auf die sogenannte Fibrose, den krankhaften Umbau von Lebergewebe in Bindegewebe.

Für die genaue Diagnose gilt die Biopsie bisher als unvermeidlich: Dabei sticht der Arzt unter örtlicher Betäubung mit einer feinen Nadel durch die Haut bis in das Organ, stanzt ein Gewebestück aus und begutachtet es unter dem Mikroskop. Das kann schmerzhaft sein und birgt das Risiko von Blutungen und Entzündungen. "Die meisten wollen so eine Erfahrung nicht nochmal machen", sagt Thomas Berg, Leberspezialist an der Medizinischen Klinik des Berliner Virchow-Klinikums.

Berg bietet seinen Patienten eine Alternative: Er misst den Verhärtungsgrad der Leber mit Fibroscan, einem Elastographie-Gerät der französischen Firma Echosense. Der Untersucher hält einen Schallkopf auf einen Punkt zwischen zwei Rippen, wo die Leber bis fast an die Haut heran reicht. Auf dem Schallkopf sitzt ein kleiner Stempel, der eine spürbare Druckwelle ins Gewebe schickt. Per Ultraschall verfolgt das Gerät die Ausbreitung dieser Welle, aus ihrer Geschwindigkeit berechnet es den Härtegrad des Organs auf einer Skala von drei bis 70 Kilopascal.

Vor allem in extremen Fällen - bei ganz gesunden oder schwer betroffenen Patienten - liefere das Gerät eindeutige und verlässliche Werte, erklärt Berg. Bei etwa jedem zweiten Patienten aber lägen die Werte im Mittelfeld. Dann wird es schwieriger: "Das kann alles bedeuten, von einer gesunden Leber bis zu einer schweren Fibrose", sagt Berg. Im Zweifel müsse doch wieder eine Biopsie durchgeführt werden. "Das Gerät liefert aber einen wertvollen Baustein in der Diagnose", resümiert Berg.

Auch bei der Diagnose von Tumoren kann die neue Methode nützlich sein, denn Tumorgewebe ist meistens härter als gesundes Gewebe. "Mit der Elastographie lassen sich deshalb auch kleinste Tumore und Metastasen in den Lymphknoten aufspüren, die im normalen Ultraschall nicht zu sehen sind", sagt Christoph Dietrich, Chefarzt der Inneren Medizin am Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim. Dazu verwendet der Mediziner allerdings nicht das nur auf Leberuntersuchungen ausgelegte Fibroscan, sondern hochauflösende Ultraschallgeräte von Hitachi oder Siemens, die die Elastographie als Zusatzoption integriert haben. Für die Untersuchung muss der Arzt das Gewebe mit dem Schallkopf in möglichst rhythmische Vibrationen versetzen, die Ausbreitung dieser Wellen liefert detaillierte Informationen über verhärtete Stellen im Organ, die auf dem Bildschirm farbig dargestellt werden.

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