Diagnose im Internet
Klick dich gesund

Jeder zweite Deutsche hat schon mal im Internet nach Krankheitssymptomen gesucht. Denn während der Arzt oft wenig Zeit hat, ist Doktor Google immer verfügbar. Doch was empfiehlt das Netz? Ein Selbstversuch.
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DüsseldorfZwei Uhr nachts. Ich liege im Bett – hellwach. Wieder einmal. Das geht schon seit Wochen so. Nacht für Nacht wache ich frühmorgens auf und habe Mühe, wieder einzuschlafen. Auch diese Nacht wieder. „Vielleicht sollte ich mal zum Arzt gehen“, denke ich. Weil ich ja sowieso nicht schlafen kann, greife ich erst mal zum Handy und gebe „Schlafstörung“ bei Google ein.
334.000 Ergebnisse spuckt mir die Suchmaschine aus. Von Informationen über Tipps und Test und Ratgebern zum besseren Schlafen finde ich alles, was ich finden will. Also beginne ich zu lesen.

So wie ich erst einmal das Netz befrage, nutzen immer mehr Deutsche das Web, um sich über ihre Beschwerden zu informieren. Jeder Zweite hat laut einer Studie von 2016 des Branchenverbands Bitkom schon mal ein Krankheitssymptom gegoogelt. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Rheingold im Auftrag des Naturmedizin-Herstellers Pascoe zeigt, dass das Googeln für viele Patienten bei Krankheiten viel mehr ist als bloße Informationsrecherche. Die Suche im Netz wird eher zu einer modernen Pilgerreise, bei der man letztendlich auf der Suche nach sich selbst ist.

Das liegt auch an der veränderten Bedeutung des Smartphones. „Das Handy ist so etwas wie ein Körperteil geworden“, sagt Birgit Langebartels, Leiterin der Studie. „Wie ein verlängerter Arm.“ Den würden viele nutzen, um sich sicher durch den Tag zu navigieren. Der Alltag würde in vielerlei Hinsicht als mühsam erlebt und oft genug würden wir an unsere Grenzen stoßen. Doch digitale Mobilität erlaube die Illusion von Machbarkeit, Kontrolle und Allwissen – erst Recht, wenn man sich krank fühle.

Die erste Quelle für Informationen ist dann Google. „Über die Weite im WWW kommen die Menschen paradoxerweise wieder näher zu sich. Sie beschäftigen sich mit ihren Befindlichkeiten, horchen in sich hinein und gleichen es ab mit den Beschreibungen im Netz. Dieses ist dann geduldiger als mancher Arzt“, sagt die Studienleiterin.

„Google ist der neue Gott“, sagt Langebartels. „Denn Google hat immer eine Antwort und bietet in der virtuellen Welt für die Patienten eine Erlösung.“ Egal was der Betroffene suche, er finde immer Widerhall. Der Betroffene fühle sich gesehen, wahrgenommen und gestärkt – anders als in mancher Praxis. Viele der Befragten würden Verständnis, Zuspruch und ausreichend Zeit beim Arztbesuch fehlen.

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