Diagnose
Sensor warnt vor Herzkollaps

Herz-Kreislauferkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen. Vor allem arterieller Bluthochdruck ist ein zentrales Problem für die Medizin. Ein neues Mikrosystem überwacht den Blutdruck permanent im Lungenkreislauf und erleichtert so die Therapie.

BERLIN. Nur jede vierte Patient mit Bluthochdruck ist in Deutschland medikamentös richtig eingestellt ist, um die Hypertonie in Schach zu halten. Dabei gilt: Je genauer der Blutdruck erfasst wird, desto besser ist die Behandlung. Gängige Blutdruckmessmethoden sind nicht nur kompliziert, sie ermöglichen auch keine kontinuierliche Überwachung. Neue mikromedizinische Überwachungssysteme sollen das ändern.

Eines dieser Mikrosysteme ist der 15 mal 3,4 Millimeter große Sensor der US-Firma CardioMems. Das minimal-invasiv eingesetzte Implantat misst den Blutdruck in dem Teil des Blutkreislaufs, der das Blut vom Herzen zur Lunge bringt und wieder zurück führt. Es sendet die Daten an ein externes Lesegerät, einen kleinen Rechner mit Empfangsantenne. Von da bezieht der Sensor zudem drahtlos seinen Strom, womit eine Batterie entfällt - was ein Novum ist. Das Besondere an der Lösung ist, dass der Patient bequem zu Hause seinen Blutdruck messen kann.

Anhand der Pulmonal-Blutdruckwerte kann der Arzt schon Tage oder Wochen vor einem akuten Problemfall Verschlechterungen der Herzleistung oder lebensbedrohliche Erscheinungen wie Lungenödeme erkennen. Gegenwärtig ist eine Messung dieser Werte fast nur durch einen Eingriff mit einem Pulmonalarterienkatheter möglich, was aufwändig ist und nur in der Klinik erfolgen kann und daher keine kontinuierlichen Werte liefert. "In sofern ist die Lösung von CardioMems ein echter Fortschritt", sagt Horst Sievert, Kardiologe und Angiologe im CardioVasculären Centrum am Frankfurter Sankt-Katharinen Krankenhaus.

Der Kardiologe hat den Sensor bereits sieben Patienten mit einem Herzfehler im Rahmen einer klinischen Studie eingesetzt mit Hilfe eines Katheters über die Beinvene. Der erste war ein 80-jähriger Mann aus Frankfurt, bei dem der Eingriff eine knappe Stunde dauerte. "Dieser Patient hat jetzt ein eingebautes Frühwarnsystem, wodurch er seltener ins Krankenhaus muss", sagt Sievert. Die Ärzte können anhand der regelmäßigen Messwerte die Behandlung der Patienten verbessern, was deren Lebensqualität und-erwartung erhöht.

"Die Ergebnisse der Studie erfüllen bisher unsere Erwartungen, die Überwachung der Patienten zu Hause funktioniert hervorragend. Neben dem Patienten profitiert auch das Gesundheitswesen von der neuen Technik, weil die Behandlungskosten gesenkt werden", zieht Sievert positive Zwischenbilanz.

Bei dem ersten Eingriff wurde der deutsche Arzt von dem Kardiologen Jay Yadav aus Atlanta unterstützt, der den Sensor entwickelt hat und Mitbegründer von CardioMems ist. Kern des Systems ist ein RFID-Funkchip, der seine Daten über ein Handymodem an eine Datenbank im Internet sendet, über die der behandelnde Arzt jederzeit die Werte abrufen kann. "Vor uns hat noch niemand Informationen aus dem menschlichen Körper mittels Radiofrequenzen gewonnen", sagt Yadav. Er hält die Technik für jeden Patienten mit einer Herzschwäche geeignet.

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