Diagnostik
Marker verbessern die Früherkennung

Ist es nur zunehmende Schusseligkeit oder Alzheimer? Eine zuverlässige Antwort auf diese Frage wollen Mediziner mit speziellen Scannern liefern. Neue bildgebende Verfahren sollen Alzheimer, Krebs und Herzerkrankungen auf einen Blick sichtbar machen - Marktforscher erhoffen sich ein großes Geschäft mit den radioaktiven Markern.

BERLIN. "Wir können Alzheimer heute schon Jahre vor dem Ausbruch diagnostizieren", verspricht Alexander Drzezga von der Nuklearmedizinischen Klinik der TU München. Bei der neurodegenerativen Erkrankung sterben die Nervenzellen im Gehirn ab, eine halbe Million Menschen in Deutschland sind betroffen. Die für Alzheimer typischen Eiweißablagerungen macht der Arzt nun mit Kontrastmitteln am Bildschirm sichtbar.

Für die neue Diagnosemethode injizieren die Mediziner schwach radioaktive Moleküle, die an den Eiweißablagerungen, den sogenannten Amyloid-Plaques, andocken. Anschließend macht ein spezieller Scanner, der Positronen-Emissionstomograph (PET) Schicht für Schicht Aufnahmen vom Gehirn. Der PET-Scanner verfügt über spezielle Sensoren, die die radioaktive Strahlung der Moleküle in Lichtsignale umwandeln und abbilden. So werden die Plaques im Hirngewebe sichtbar.

Derzeit laufen klinische Studien, in wenigen Jahren könnte die Methode im klinischen Alltag zur Früherkennung dienen. Das Marktforschungsinstitut Kalorama schätzt, dass ein zuverlässiger diagnostischer Marker jährlich Umsätze von etwa zwei Mrd. Dollar einspielen könnte.

Die Experten sind sich einig: Auch in der Diagnose von Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs könnte die molekulare Bildgebung mit PET immer größere Bedeutung erlangen. In der Krebserkennung wird die Technik schon heute eingesetzt, um selbst kleinste Metastasen exakt zu orten. Als Marker verwenden die Ärzte dafür radioaktiven Traubenzucker. Durch den erhöhten Energieumsatz reichern Krebszellen vermehrt Zucker an und leuchten so auf dem Bildschirm. Als Non plus ultra gilt derzeit die PET-CT, eine Kombination aus PET und Computertomographie (CT). Während die PET kleinste Tumore aufspürt, liefert die CT-Untersuchung scharfe anatomische Aufnahmen, die eine genaue Lokalisierung der Krebsherde erlauben.

Für die Krebsdiagnostik werden inzwischen auch eine Reihe weiterer Marker verwendet. Spezialisten geben beispielsweise radioaktiv markiertes Thymidin, ein Baustein der Erbsubstanz. Die Untersuchung gibt Aufschluss über die Teilungsaktivität der Tumorzellen und verrät den Ärzten schon nach wenigen Tagen, ob der Krebs auf eine Chemotherapie anspricht oder nicht. "Dadurch erspart man dem Patienten unwirksame Therapieversuche und gewinnt Zeit", erklärt Michael Schäfers, Leiter des Europäischen Instituts für Molekulare Bildgebung an der Universität Münster. Ohne die PET-Untersuchung sehen die Ärzte erst nach mehreren Wochen, ob die Therapie wirkt.

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