Die deutsche Medizintechnikbranche wächst vor allem im Ausland
High-Tech für Höchstleistungen

Mission Goldmedaille – 107 Techniker schickte die Otto Bock Healthcare GmbH Ende September zu den Paralympics nach Athen. Der Hersteller von Rollstühlen und Prothesen bot den aus aller Welt angereisten Athleten während der Wettkämpfe umfassende technische Hilfe an.

HB DÜSSELDORF. „Unser Service wurde 2200 Mal in Anspruch genommen“, sagt Julia Stollberg-Döring, Sprecherin bei Otto Bock. Ein Einsatz, der sich lohnte: Michael Teuber etwa gewann mit einer Fußgelenk-Schiene aus Karbon von Otto Bock im Bahnradfahren Gold, Christine Wolf belegte mit einem Modular- Kniegelenk den zweiten Platz im Weitsprung.

Auch das Unternehmen selbst hat eine Spitzenposition. „Die Otto Bock GmbH ist in ihrem Markt unangefochtener Weltmarktführer“, sagt Frank Fabian, Branchenanalyst bei der IKB Deutsche Industriebank in Düsseldorf. „Sie zeigt, wie es deutschen Medizintechnik-Unternehmen gelingt, sich in Nischenmärkten weltweit zu profilieren.“ Typisch für die Branche sei die breite Produktpalette: „Sie reicht von schonenden OP-Techniken über Herzschrittmacher und bildgebende Verfahren wie die Tomographie bis hin zu Prothesen und Implantaten“, sagt Fabian. Die Vielzahl von Nischen schafft gute Chancen – nicht nur für Schwergewichte wie Siemens Medical Solutions und Fresenius, die zu den zehn größten Medizintechnik- Herstellern weltweit gehören. Auch mittelständische Firmen der deutschen Traditionsbranche sind international auf Wachstumskurs. Vor allem das Exportgeschäft floriert: Nach Angaben des Branchenverbandes Spectaris sind die Inlandsumsätze der deutschen Medizintechnik-Industrie von 2000 bis 2003 um 15 % gewachsen – im Ausland lag das Plus mit 33 % mehr als doppelt so hoch.

Für das vergangene Jahr hat der Verband ein Umsatzwachstum der Branche von 4,6 % auf 12,5 Mrd. Euro ermittelt. Auch wenn das Wachstum in den Vorjahren höher ausfiel – die Firmen liegen noch immer deutlich über dem Schnitt der deutschen Wirtschaft. Mit einem Plus von 1,2 % nahm auch die Beschäftigtenzahl leicht auf 85 500 zu. Nicht nur beim Verkauf, auch bei der Produktion setzen die deutschen Unternehmen zunehmend auf das Ausland. „Deutschland spielt schon heute wegen hoher Kosten keine große Rolle mehr für die Produktion“, sagte Wolfgang Reim, Vorstandsvorsitzender der Dräger Medical im Oktober beim Spectaris-Zukunftsforum Medizintechnik. „Die Fertigung in Deutschland konzentriert sich immer mehr auf Endmontage und Prüfung.“ In seinem Unternehmen liege die Fertigungstiefe teilweise „deutlich unter zehn Prozent“. Gute Exportchancen gebe es für deutsche Medizintechnik nur bei einem attraktiven Umfeld für wissensbasierte Wertschöpfung. „Dazu gehört insbesondere auch ein modernes Gesundheitswesen“, so Reim. Das Gesundheitssystem erstarre jedoch „zunehmend in der politischen Kostendebatte“.

„Die Kostendämpfung darf nicht die oberste Priorität haben“, fordert auch IKB-Experte Fabian. Im Inland seien Krankenhäuser und Kliniken die wichtigste Abnehmergruppe der Medizintechnik-Hersteller. Derzeit mache ein „milliardenschwerer Investitionsstau“ den Unternehmen zu schaffen, die viel in die Forschung investieren müssen. Tatsächlich ist das Innovationstempo in der Branche enorm hoch: 70 Prozent der Produkte sind jünger als drei Jahre. „Neue Behandlungsmethoden und Verfahren müssen schneller beim Patienten ankommen“, fordert Anton Schmidt, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Medizintechnologie.

Derzeit erhöht allerdings die Umstellung auf Fallpauschalen den Kostendruck in den Krankenhäusern. „Die Erlöse sinken“, sagt Joachim Kartte, Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Mehr Effizienz soll die „integrierte Versorgung“ bringen, bei der niedergelassene Ärzte, Kliniken und Reha-Einrichtungen kooperieren und durch IT-Systeme vernetzt werden.

Gekoppelt ist dieser Trend mit der geplanten Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, die umfassende Daten der Patienten speichert und schnell bereitstellt. Kartte sieht auch klare Anreize für Investitionen in innovative High-Tech-Produkte: „Neuartige Geräte können nicht nur die Qualität der Behandlung verbessern, sondern diese auch beschleunigen.“

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