Die Medikamente Erbitux und Avastin versprechen Fortschritte bei der Tumorbehandlung
Antikörper bremsen Darmkrebs

Mit zwei neuen Krebsmedikamente haben sich die Chancen in der Krebstherapie verbessert. Das Medikament Erbitux hat vier Monate nach der US-Genehmigung vor kurzem auch in Europa grünes Licht erhalten für den Einsatz in der Darmkrebs-Behandlung. Das Mittel Avastin ist bisher zwar nur in den Vereinigten Staaten auf dem Markt, dürfte aber gegen Ende des Jahres auch in Europa zugelassen werden.

FRANKFURT/M. Beide Medikamente, das von der US-Firma Imclone und ihrem deutschen Partner Merck entwickelte Medikament Erbitux sowie das von dem Schweizer Pharmakonzern Roche und dem US-Unternehmen Genentech entwickelte Mittel Avastin, sollen die Behandlung von Darmkrebs verbessern. Damit stehen inzwischen schon acht Antikörper, für die Krebstherapie zur Verfügung steht. Dutzende weiterer Produktkandidaten befinden sich in der Entwicklung. Von einem Durchbruch in Richtung Heilung von Krebs mag zwar noch niemand reden. Experten wie Gerhard Moldenhauer vom Deutschen Krebsforschungs-Zentrum (DKFZ) sprechen mit Blick auf die neuen Wirkstoffe aber von einem „qualitativen Sprung“, weil es erstmals gelingt, Tumorerkrankungen selektiv zu attackieren. Der große Vorteil der Antikörper besteht in ihrer Zielgenauigkeit. Abgeleitet aus dem menschlichen Immunsystem, zeichnen sich die komplizierten Eiweißmoleküle dadurch aus, dass sie spezifisch an andere Moleküle oder Zellen binden. Damit können sie in krebsrelevante Mechanismen eingreifen und die zum Teil drastischen Nebenwirkungen klassischer Chemotherapeutika vermeiden.

Avastin etwa greift in Prozesse ein, die das Wachstum von Blutgefäßen in Tumoren fördern. Erbitux dagegen blockiert einen speziellen Oberflächenrezeptor von Krebszellen und verhindert auf diese Weise, dass so genannte Wachstumsfaktoren andocken können, die die Zellteilung anregen. „Der Wirkstoff ist vor allem deshalb so spannend, weil er Patienten eine Chance gibt, die eigentlich schon am Ende der Therapiemöglichkeiten stehen“, erläutert der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft, Friedrich Overkamp.

Erbitux wurde zunächst für die Behandlung von Darmkrebspatienten zugelassen, bei denen die Chemotherapie mit dem Standardmittel Irinotecan versagt hat. Die klinischen Daten, auf denen die Zulassung basiert, erscheinen dabei auf den ersten Blick keineswegs spektakulär. Sie deuten im Schnitt auf eine Verzögerung des Krebswachstums von etwa vier Monaten hin – allerdings bei Patienten, die bereits als austherapiert galten. Overkamp berichtet beispielsweise von einem Patienten, der auf Grund zahlreicher Leber-Metastasen bereits am Ende schien. Auf die Behandlung mit Erbitux habe er aber so gut angesprochen, dass er sich inzwischen weitgehend erholt habe. „Das hätten wir vor einem Jahr noch für Science Fiction gehalten“, sagt Overkamp.

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