Die Zucker-Lüge „Zucker macht weder dick noch süchtig“

Nicht so viel Zucker essen, der macht nur dick und verursacht schlechte Zähne. Soweit zur eingetrichterten Wahrheit. Detlef Brendel und Sven-David Müller wollen in ihrem neuen Buch die große Zucker-Lüge entlarven.
"Kein Zahnarzt würde je behaupten, dass Zucker alleine Karies macht." Quelle: dpa
Schlecht für die Zähne?

"Kein Zahnarzt würde je behaupten, dass Zucker alleine Karies macht."

(Foto: dpa)

Herr Müller, Herr Brendel, Sie haben gerade zusammen Ihr Buch „Die Zucker-Lüge“ veröffentlicht. Was wollen Sie damit erreichen?

Müller: Wir möchten aufklären, damit Menschen sich eine Meinung auf der Grundlage von Informationen und Fakten bilden können. Ich schreibe seit 25 Jahren über Ernährungsthemen und es stört mich ungemein, dass einzelne Lebensmittelinhaltstoffe wie der Zucker unreflektiert als das alleinig Schädliche dargestellt und quasi an die Wand gestellt werden, wobei die Faktenlage teilweise eine ganz andere Sprache spricht.

Haben Sie denn tatsächlich das Gefühl, dass der Zucker neben Salz oder Fett besonders benachteiligt ist? Es behauptet doch niemand ernsthaft, dass Zucker alleine der Dick- oder Krankmacher ist.

Brendel: Auch andere Inhaltsstoffe sind unter Beschuss, das stimmt. Aber ich beschäftige mich seit über 30 Jahren mit Ernährungsthemen und finde die isolierte Betrachtung des Zuckers als besonders auffällig. Wir könnten hier eine endlose Liste von Überschriften aufmachen, im Stil von „Zucker macht süchtig“ oder „Zucker bringt uns um“.

Das sind ganz klare und massive Angriffe auf den Zucker, wobei es dafür keinerlei wissenschaftliche Belege gibt. Zucker macht weder dick noch süchtig, noch verursacht er Karies.

Müller: Nein, kein Zahnarzt würde je behaupten, dass Zucker alleine Karies macht. Aber bei den Menschen kommt es so an. Doch es sind viele verschiedene Faktoren, die beim Karies-Infektionsgeschehen eine Rolle spielen. Etwa die Zahnhygiene, die Mundflora, der Ph-Wert, die Fluoridzufuhr oder das Abspülen. Wenn ein Mensch vollständig auf Zucker verzichtet, kann er mehr Karies bekommen als jemand, der Zucker zu sich nimmt.

Aber die Karies erzeugenden Bakterien im Mund sind doch auf Energielieferanten wie Zucker angewiesen und freuen sich über dieses Mastmittel.

Müller: Genauso über Zwieback, Chips oder Salzstangen. Denn die enthalten ebenfalls nahrhafte Kohlenhydrate – und sie haften anders als Zucker als Nahrungsbrei auch noch auf den Zähnen auf. Hier müssten wir jetzt also ganz tief in die Biochemie der Kohlenhydrate und die technologische Beschaffenheit einsteigen. Aber ich bin mir sicher, dass Salzstangen mehr Karieswahrscheinlichkeiten machen als ein Würfel Zucker. Sie deshalb zu verteufeln, wäre natürlich Blödsinn.

Das sind die wahren Kalorienbomben
Ketchup-Flaschen
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Ketchup

Sommerzeit heißt auch Grillsaison. Zu Steak, Pute und Grillwürstchen gibt es oft eine ordentliche Portion Ketchup. Zwar enthält die Soße so gut wie kein Fett, dafür aber ganze elf Stück Würfelzucker pro 100 Gramm – ein Figur-Killer.

Nürnberger Bratwürste
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Wurst

Der komplette Verzicht ist bestimmt nicht notwendig, aber wer etwas auf seine Ernährung achtet, sollte überlegen, zu welchem Fleisch er greift. Besonders Wurstprodukte können die Kalorienzahl eines Tages deutlich in die Höhe treiben. Als Beispiel: Eine Snackwurst, „Rucksackwurst“ oder auch Landjäger genannt, kommt bei 100 Gramm schon auf rund 457 Kalorien.

Gummi Bear Factory Boizenburg expandiert
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Gummibärchen

Lange Zeit hielt sich das Gerücht, Gummibärchen seien gar nicht so tückisch für die Figur. Dabei steckt eine Menge Zucker in den Bärchen. Und auch Zucker wird im Körper in Fett umgebaut und so in den unschönen Speckrollen gespeichert, wenn wir mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen können.

Most von eigenen Äpfeln
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Fruchtsaft

Viel trinken ist gesund – aber nicht jedes Getränk hält schlank. Fruchtsäfte zum Beispiel: Ein Glas Apfelsaft enthält genau so viele Kalorien wie ein Glas Cola. Daher sollte man den Saft lieber mit Wasser mischen.

Jahres-PK Landesverband Milchwirtschaft
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Milch

Auch Vollmilch gilt durch den hohen Fettgehalt als flüssiger Dickmacher. Bei 3,5 Prozent Fettgehalt liegen 100 Milliliter bei 64 Kilokalorien. Gleichzeitig enthält das Getränk viel Kalzium und Eiweiß, das ist wichtig für Knochen und Muskelaufbau. Um darauf nicht verzichten zu müssen, können Diäthaltende die entrahmte Version oder Buttermilch trinken. Die entrahmte Milch hat nur noch 36 Kilokalorien auf 100 Milliliter. Dabei muss man aber bedenken: So nimmt man auch kaum noch fettlösliche Vitamine A, D und E auf.

Matjes-Delikatessen aus Emden
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Fisch

Fisch ist eigentlich auf jedem Diätplan enthalten. Die Meeresbewohner gelten als besonders fettarm und jodhaltig. Es gibt aber auch besonders fetthaltige Fische. Wer auf die Linie achten muss, sollte sich bei Thunfisch, Lachs, Matjes oder frittierten Calamares zurückhalten. Diese Speisen bestehen zu 13 bis 20 Prozent aus Fett. Deutlich kalorienärmer ist zum Beispiel eine Portion gegrillte Scampis.

THOMY SALAT CREME
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Salatdressing

Wer abnehmen will, greift in der Regel zu Salat und frischem Gemüse. Dabei wird aber immer wieder vergessen, dass die Dickmacher nicht im Salat, sondern im Dressing lauern. Statt einer Fertigmischung, die oft viel Zucker enthält, sollten Genießer ihr Dressing lieber selbst machen und dabei pro Person nicht mehr als einen Esslöffel Öl verwenden.

Sie können sich sicher noch erinnern, dass es vor nicht allzu langer Zeit gesüßte Kindertees gab, die nachweislich Karies machten?

Brendel: Ja, aber nur, weil Eltern Kinder stundenlang an einem Fläschchen nuckeln ließen. Da kann der Tee an sich nichts dafür.

Die Eltern sind schuld?

Müller: Ja. Das war ein völlig unsachgemäßer Gebrauch dieses Lebensmittels

Interessant. Na, immerhin haben die Hersteller diese Produkte auf Druck der Öffentlichkeit vom Markt genommen. Kommen wir zum Übergewicht. Sie behaupten allen Ernstes, dass Zucker nicht dick macht?

Brendel: Ja, er ist jedenfalls nicht die alleinige Ursache.

Ich finde es sehr nachvollziehbar, dass Menschen, die in Form von süßen Limos, übersüßten Pausensnacks oder Betthupferln mehr Kalorien aufnehmen, als sie verbrauchen, zunehmen und dick werden.

Brendel: Sie haben es gerade selbst gesagt. Nur wer mehr Kalorien aufnimmt, als er verbraucht, wird dick. Nicht die Zuckerzufuhr ist entscheidend, sondern das Maß an Bewegung und Sport. Hier haben gerade bei Kindern und Jugendlichen die Eltern eine große Verantwortung. Das ist eine Frage des Lebensstils, um den wir uns heute dringend kümmern müssen.

Es geht also nicht um eine isolierte Betrachtung des Zuckers, der immer wieder als Hebelpunkt benutzt wird von all jenen, die gegen die Ernährungswirtschaft zu Felde ziehen und die die Bevölkerung reglementieren wollen.

Den Zucker nicht verteufeln
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