Digitalisierung des Gesundheitswesens
Smart Health auf dem Vormarsch – doch wie sind die Regeln?

Eine neue Studie belegt: An der Digitalisierung des Gesundheitswesens führt kein Weg vorbei. Gleichzeitig legen die Verbraucher aber nur ungern persönliche Daten offen. Wissenschaftler fordern strenge Regeln für Apps.
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BerlinFür den Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK) ist die Sache klar. „Wir stehen schon längst nicht mehr vor der Frage, ob die Digitalisierung des Gesundheitswesens kommt, wir können nur noch entscheiden, wie wir sie umsetzen.“ Und Jens Baas ist entschlossen, die Antwort auf diese Frage nicht großen Konzernen wie Google oder Apple zu überlassen. Vielmehr will die TK die neuen Möglichkeiten nutzen, um ihren Patienten eine bessere Betreuung und Therapie zu bieten, vermeidbare Ausgaben für Diagnostik und Behandlung einzusparen und die Marke TK populärer zu machen.

„Mit der Nutzung der digitalen Möglichkeiten stärken wir unser Image als moderne Krankenkasse“, sagt Baas. Das spiegelt sich auch im brandneuen Logo der größten deutschen Kasse. Seit diesem Monat firmiert die vor 125 Jahren als exklusive Einrichtung für Architekten, Ingenieure und Techniker gestartete Kasse als „TK die Techniker“ und signalisiert so schon im Namen, dass sie keine Angst vor den neuen digitalen Möglichkeiten hat.

Damit sie dabei nicht im luftleeren Raum agiert, hat sie jetzt ihre Versicherten befragt. Das Ergebnis ist durchaus zwiespältig. Einerseits zeigt sich, dass der flächendeckende Einsatz von Gesundheits-Apps schon heute möglich wäre. Selbst in der Altersgruppe zwischen 50 und 70 hat schon jeder zweite ein Smartphone. An fehlender Hardware bei den Patienten müsste die Sache also nicht scheitern.

Was die Verbreitung digitaler Helfer bei der Sammlung und Auswertung von Gesundheitsdaten angeht, klafft allerdings noch eine ziemliche Lücke zwischen Wunsch und Erwartungen. 92 Prozent rechnen fest oder wahrscheinlich damit, dass es in Zukunft allgemein üblich sein wird, sich im Internet über Gesundheitsdaten zu informieren. 86 Prozent glauben, dass es in zehn Jahren üblich sein wird, Gesundheits-Apps zur Erfassung von Krankheitssymptomen oder als Hilfe für die richtige Medikamenteneinnahme einzusetzen. 75 Prozent erwarten, dass Apps in zehn Jahren routinemäßig auch bei der Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden.

Doch nur jeder Dritte wünscht sich für sich persönlich, dass es so kommt. Da wundert es nicht, dass nur jeder fünfte bereit ist, sich in sozialen Netzwerken wie Facebook über Gesundheitsthemen zu informieren. Mehr als jeder Vierte hält gar nichts davon, seiner Krankenkasse persönliche Gesundheitsdaten zur Verfügung zu stellen. Wenn es um die Diagnose schwerer Krankheiten geht, wären 63 Prozent dazu bereit. Überraschenderweise will aber nur jeder Dritte der TK Zugriff auf Gesundheitsdaten geben, damit sie auf deren Basis einen Beitragsbonus für besonders gesundheitsbewusstes Verhalten ausschütten kann. Schlechte Nachrichten für schon laufende und geplante Bonus-Programme der Kasse.

Die Antwort der TK auf diese Skepsis lautet „elektronische Gesundheitsakte“. Nachdem es der Politik seit 2005 nicht gelungen ist, die elektronische Gesundheitskarte, deren wichtigste Anwendung das elektronische Rezept und eine solche Akte gewesen wäre, zum Laufen zu bringen, hat die Kasse nun selbst die Entwicklung einer solchen Akte öffentlich ausgeschrieben. Die Ausschreibefrist lief Ende August aus. Das Projekt kann also schon bald starten.

„Wir als Krankenkasse sind erfahren im Umgang mit sensiblen Daten und somit qualifiziert, dieses Projekt voranzutreiben“, rechtfertigt der TK Chef, dass er damit die Politik sauber umläuft. Er ist sogar der Meinung, der Gesetzgeber sollte alle Krankenkassen verpflichten, ihren Versicherten eine solche Akte anzubieten. „Dabei ist ganz entscheidend, dass der Versicherte entscheidet, welche Daten in die Akte kommen und wer sie zu lesen kriegt. Wir als Kasse wollen keinen Zugriff auf die Daten“, betont Baas.

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