Drahtlose Funktechnologie
Arzt betreut Patienten aus der Ferne

Telemetrie-Anwendungen erobern die Medizintechnik, dabei schicken Diagnosegeräte Daten per E-Mail in die Praxis. Die ersten Produkte, die Zeit- und Kostenersparnisse versprechen, sind bereits auf dem Markt.

KÖLN. Das Handy hat nicht nur die Kommunikationsgewohnheiten umgekrempelt, sondern auch Tüftler zu neuen medizinischen Anwendungen inspiriert. Ingenieure und Informatiker wollen drahtlose Funktechnologien für medizinische Ferndiagnosen und die Überwachung von Risikopatienten nutzbar machen. Die ersten Produkte, die Zeit- und Kostenersparnisse versprechen, sind bereits auf dem Markt.

Auf der Medizinmesse Medica präsentierte Vitaphone eine mobile Lösung, mit der Patienten ein EKG aufnehmen und die Daten zur Überwachung an ihren Arzt schicken können. Und die Berliner Firma Biotronik brachte ihren „Home Monitoring“-Herzschrittmacher auf den Markt, der Herzrhytmus-Störungen beinahe in Echtzeit diagnostiziert. Das mit einer Antenne ausgestattete Gerät wird in den Körper eingepflanzt und sendet Informationen über die Herz-Aktivitäten per Funk an das „Biotronik-Telefon“. Das ist eine Art Handy ohne Tasten und Anzeige, das die Daten per SMS an ein Service-Center weiterleitet.

„95 Prozent der Nachrichten kommen innerhalb von fünf Minuten an und ermöglichen so ein genaues Bild“, sagt Hans-Jürgen Wildau, Geschäftsbereichsleiter bei Biotronik. Das System belaste den Patienten nur wenig, weil der Herzschrittmacher nur ganz kleine Impulse ausschickt.

Während sich Biotronik bei der Vermarktung der neuen Technologie fürs erste auf die schwersten Krankheitsbilder konzentriert, hat sich der Informatiker Christian Weigand vom Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen in Erlangen einer weniger bedrohlichen Krankheit verschrieben. Er will drahtlose Funktechnologien nutzen, um Patienten mit dem Verdacht auf Schlafapnoe den Gang ins Schlaflabor zu ersparen.

Zwischen einem und zwei Prozent der Bevölkerung leiden unter dieser Schlafstörung, die durch nächtliche Atemstillstände ausgelöst wird und die Gesundheit auf Dauer schädigen kann. Weigand und seine Kollegen entwickeln ein System, dass die telemetrische Patientenüberwachung zu Diagnosezwecken ermöglicht.

Statt sich von Kopf bis Fuß verkabelt im Schlaflabor zu betten, soll sich der Patient zur Diagnose künftig ins eigene Schlafzimmer begeben. Ein winziger Sensor, der an seinem Körper angebracht wird, misst den Puls, die Sauerstoffsättigung im Blut oder macht ein Elektrokardiogramm (EKG). Der Sensor übermittelt die Daten an ein leistungsfähiges Handy oder Modem, das sie an den behandelnden Arzt weiterleitet.

„Für die Ferndiagnose werden dem Patienten einfach ein paar kleine Elektroden auf die Haut geklebt“, sagt Weigand. Via Bluetooth werden die Daten zunächst an eine kleine Elektronik-Box gefunkt, die neben dem Bett stehen sollte und die Informationen an ein Modem überträgt. „Da der Patient in seinem eigenen Bett schläft, erhalten wir ein authentisches Bild“, sagt Weigand. Das neue System solle Mitte 2006 marktreif sein.

Wilhelm Stork will die Telemetrie nicht für die Diagnose, sondern für die Prävention von Krankheiten einsetzen. Am Institut für Technik der Informationsverarbeitung der Technischen Universität Karlsruhe entwickelt der Physiker einen „elektronischen Gesundheitsassistenten“ für den Alltag.

Kernstück seiner Erfindung ist ein Gerät, das der Nutzer am Körper trägt. Es misst nicht nur Blutdruck und Puls, sondern auch die Bewegungsintensität und den Energieverbrauch. Zum Assistenten wird das Gerät, indem es die Daten auswertet und daraus Ratschläge ableitet, die es über Kurzstreckenfunk als Nachricht auf das Handy schickt.

Wenn jemand beispielsweise stundenlang am Computer gesessen habe, könnte das Gerät per SMS vor Nackenschmerzen warnen und vorbeugende Gymnastikübungen empfehlen. Die Technik hierfür sei schon „sehr weit“, sagt Stork. Spätestens in zwei Jahren, schätzt der Wissenschaftler, könne das Gerät für Verbraucher erhältlich sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%