Ebola-Ausbreitung in Afrika
„Wenn ich könnte, würde ich gehen“

Nachlässige Machthaber und irrer Aberglaube der Bevölkerung verstärken die Wirkung des Ebola-Virus in Westafrika. Ein Land sticht besonders negativ heraus: Liberias traurige Entwicklung steht für den ganzen Kontinent.
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PretoriaLiberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf hat heute für das ganze Land eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Endlich, muss man hinzufügen, denn das Land wird bereits seit rund sechs Monaten von der Ebola-Epidemie heimgesucht, die auch seine beiden Nachbarn Sierra Leone und Guinea befallen hat.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es allein in dem langjährigen Bürgerkriegsland bislang über 800 bestätigte oder vermeintliche Fälle, fast 450 Menschen sind hier an der Krankheit gestorben.

So lange hat es gedauert und so viele Opfer hat es gebraucht, bis die erste weibliche Machthaberin Afrikas in ihrer Ansprache letzte Nacht auch eingestand, dass man die Lage in Liberia noch nicht unter Kontrolle habe. Weil sich die Menschen nicht an die überall verbreiteten Warnungen hielten. Die eigenen Versäumnisse wurden verschwiegen

Die Kampagne kommt viel zu spät, doch plötzlich liest und hört man ihre Botschaft fast überall: „Ebola is real“ dröhnt es nun unentwegt aus den Autoradios in Monrovia, der Hauptstadt des westafrikanischen Küstenstaates. Der Slogan steht auf den Billboards entlang des Tubman Boulevards, der durch die heruntergekommene City läuft, und auf den Etiketten, die auf den nun vor einigen Büros und Geschäftsgebäuden aufgestellten Eimern zum Händewaschen kleben.

Selbst die meisten  Menschen scheinen endlich zu begreifen, dass die Infektionskrankheit Ebola keine Erfindung ihrer Regierung oder gar westlicher Ärzte ist, auch wenn Skepsis und Argwohn tief sitzen.

Täglich sieht man nun auch Tote stundenlang auf den Straßen liegen, weil sie niemand mehr ins Leichenschauhaus bringen will und die Ebola-Einheiten der Regierung mit dem Abholen nicht nachkommen.

Wie groß das Misstrauen ist, zeigt nicht zuletzt die Flucht von 19 Ebola Patienten aus einer Isolierstation in Monrovia. Am Wochenende hatten Bewohner der Armensiedlung West Point die Station gestürmt, ihre Räume geplündert und die hier isolierten Patienten „befreit“ wie die Eindringlinge behaupten. Diese könnten nun leicht weitere Menschen in dem dicht besiedelten Slum mit dem Virus anstecken.

Informationsminister Lewis Brown musste zugeben, dass die Angreifer auch Matratzen, Decken  und Bettlaken mitgenommen hätten, auf denen Körperflüssigkeit der Kranken haftete.

Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass sich zumindest die Plünderer inzwischen fast alle angesteckt haben und nun ihrerseits wandelnde Infektionsherde sind. Mittlerweile hat die Regierung reagiert und die in Elendsquartieren lebenden 70.000 Menschen unter Quarantäne gestellt.

Vor zwei Wochen hatte Staatschefin Sirleaf - ebenfalls viel zu spät - einen dreimonatigen Ausnahmezustand über ihr Land verhängt. Zusätzlich werden nun auch abgelegene Dörfer im Innern unter Quarantäne gestellt, was viele an die Pestdörfer im Mittelalter in Europa erinnert die nach dem Ausbruch der Seuche ähnlich drastisch von der Außenwelt abgeschottet wurden. 

Insgesamt hat das oft tödliche Fieber in den drei besonders hart betroffenen Ländern inzwischen mehr als 1.220 Menschen getötet.

In Nigeria mit seinen 175 Millionen Eonwohnern sind bislang nur eine Handvoll Menschen gestorben, die alle mit einem per Flugzeug eingereisten Ebola-Infizierten in Kontakt kamen. Hier scheint die Epidemie noch unter Kontrolle zu sein.

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