Ebola-Epidemie

Im Dorf von „Patient Null“

Im Dorf Meliandou im westafrikanischen Guinea hat die tödliche Ebola-Epidemie ihren Ausgang genommen. Die Bewohner haben nicht nur viele Angehörige verloren, sondern auch jede Hoffnung.
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Hinde Ouamouno mit seinen Kindern Sia (l.) und Kekouea. Ouamounos Sohn Emile war das erste Opfer der Ebola-Epidemie in Westafrika. Quelle: dpa

Hinde Ouamouno mit seinen Kindern Sia (l.) und Kekouea. Ouamounos Sohn Emile war das erste Opfer der Ebola-Epidemie in Westafrika.

(Foto: dpa)

MeliandouEtienne Ouamouno sitzt vor seiner Hütte und schaut einen Stapel Fotos durch. Eines zeigt den 31-Jährigen mit seiner Frau, lächelnd und ein Baby im Arm haltend. Seine Hand zittert bei der Erinnerung. Von den Menschen im Bild ist nur noch er am Leben.

Gerade ein Jahr alt, wurde sein Sohn Emile zu „Patient Null“, dem ersten Opfer des schlimmsten bekannten Ebola-Ausbruchs der Geschichte. Seitdem sind Tausende Menschen in Westafrika an dem Virus gestorben.

Sein Dorf Meliandou liegt inmitten saftiger Felder und Tropenbäume am Ende einer schlammigen Straße im Regenwald Guineas. In dieser abgelegenen Siedlung von Rundhütten und einfachen Steingebäuden hatte zuvor niemand von einer Krankheit namens Ebola gehört.

Das arme, aber friedliche Leben in Meliandou, in dem die Mehrheit der 500 Bewohner vom Anbau von Reis, Maniok, Mais und Bananen lebt, änderte sich unwiderruflich im Dezember. Das Dorf markiert den Beginn der Ebola-Epidemie, die sich im dramatischen Tempo ausbreitete.

Die gefährlichsten Viren der Welt
EBOLA VIRUS
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Ebola-Virus

Das vorwiegend in Zentralafrika auftretende Ebola-Virus gehört zu den tödlichsten Krankheitserregern überhaupt. Bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben innerhalb von einer Woche nach dem Auftreten der ersten Symptome.

Marburg-Virus
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Marburg-Virus

Mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 90 Prozent ist der Erreger des Marburg-Fiebers ähnlich gefährlich wie das Ebola-Virus. Vergleichbar sind auch Krankheitsverlauf und Übertragungsweg: Beide Erreger werden auf den Menschen durch Kontakt mit infizierten Personen oder Tieren übertragen.

Das Marburg-Virus wurde erstmals im Jahr 1967 bei Mitarbeitern eines Labors in Marburg festgestellt. Vermutlicher Ausgangspunkt der Erkrankung waren seinerzeit wohl infizierte Versuchstiere.

Lassavirus
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Lassa-Virus

Überträger des vor allem in Westafrika auftretenden Lassa-Virus ist ein Nagetier, die Natal-Vielzitzenmaus. Etwa 500.000 Menschen erkranken nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO am Lassa-Fieber, rund 5000 davon sterben. Gefährdet sind vor allem schwangere Frauen, da sich der Erreger gern in der Plazenta einnistet.

TigermückeTigermücke
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Dengue-Virus

Die Tigermücke ist einer der Erreger des durch Viren hervorgerufenen Dengue-Fiebers. Die Krankheit ähnelt meist einer schweren Grippe, kann aber auch in ein hämorrhagisches Denguefieber ausarten, bei dem schwere innere Blutungen schließlich zum Tod führen. Die WHO schätzt, dass bis zu 100 Millionen Menschen pro Jahr an Denguefieber erkranken, rund 20.000 davon sterben.

Hantaviren
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Hanta-Virus

Während des Koreakrieges erkrankten rund 3000 US-Soldaten im Gebiet des südkoreanischen Hantan-Flusses an einem bis dahin unbekannten Erreger, der Fieber und im schlimmsten Fall Nierenversagen verursachte. Heute zählen Hantaviren zu den am weitesten verbreiteten Krankheitserregern, sie sind praktisch weltweit zu finden. Die meisten Infektionen mit den durch Nagetiere übertragenen Viren verlaufen allerdings glimpflich.

Gelbfieber
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Gelbfieber-Virus

Obwohl es einen Impfstoff gibt, erkranken pro Jahr noch immer mehrere hunderttausend Menschen an Gelbfieber. Die Viren werden durch Stechmücken übertragen. In schweren Fällen kann es zu Leberschäden und Störungen der Blutgerinnung kommen. Die WHO schätzt, dass etwa 30.000 Menschen pro Jahr an Gelbfieber sterben.

Emile war das erste Opfer. Er starb am 28. Dezember. Eine Woche später folgte seine vierjährige Schwester Philomene. Dann seine Großmutter, Tante und, Ende Januar, seine Mutter Sia, die im vierten Monat schwanger war. Ouamouno verlor sechs Familienmitglieder in weniger als einem Monat an eine Krankheit, von der er glaubte, sie sei das Ergebnis von Hexerei.

„Ich dachte, mein Dorf ist gegen mich. Ich dachte, meine ganze Familie wird sterben. Ich verlor jede Hoffnung“, sagt er, umringt von seinen drei überlebenden Kindern. Doch Ebola verbreitete sich schnell im ganzen Dorf. Eine Beerdigung folgte der nächsten. Die Leichen wurden gewaschen, aufgebahrt und mit Gebeten versehen, so wie es in Guinea Tradition ist. Im April waren 21 neue Gräber ausgehoben.

Von Panik erfasst verließen viele Bewohner das Dorf, darunter auch örtliche medizinische Helfer. Sie wussten wenig darüber, wie sie sich schützen könnten, und trugen dazu bei, dass sich das Virus in der Region verbreitete.

Unter denen, die flüchteten, war auch Ouamounos Vater Fassinet. Der 47-Jährige nahm seine Kinder und Enkel und reiste mehr als 400 Kilometer in überfüllten Minibus-Taxis in die Stadt Siguiri, wo sie für acht Monate blieben.

Kürzlich ist Fassinet nach Meliandou zurückgekehrt. Auch ihn hat das Glück verlassen. „Es gibt immer noch ein so großes Stigma. Sobald die Leute hören, dass wir aus Meliandou kommen, haben sie Angst oder rennen davon. Sie glauben, dass wir verseucht sind.“

Verrückt vor Angst
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