Ebola-Epidemie in Westafrika
„Sie haben solche Lügen verbreitet“

Tragen die Behörden Guineas und Liberias eine Mitschuld an der aktuellen Ebola-Epidemie in Westafrika? Mediziner und Bewohner der betroffenen Gebiete werfen ihnen Verharmlosung und mangelnde Aufklärung vor.
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Conakry/MonroviaIm größten Krankenhaus von Conakry herrscht Empörung. „Sie haben solche Lügen verbreitet: Ebola sei unter Kontrolle, Ebola sei Vergangenheit“, sagt Alphadio, der als Arzt an der Donka-Klinik in der Hauptstadt des westafrikanischen Guinea arbeitet. Wegen solcher Äußerungen trügen Regierung und Behörden des Landes eine Mitschuld.

Nach am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden in dem von Ebola am heftigsten betroffenen Guinea sowie im benachbarten Liberia und Sierra Leone seit Jahresbeginn 635 Fälle von hämorrhagischem Fieber registriert – 399 Menschen starben. Die WHO forderte „drastische Maßnahmen“ und berief für den 2. und 3. Juli eine Konferenz der elf Gesundheitsminister Westafrikas im ghanaischen Accra ein.

„Durch Verschulden unserer Regierung, ob sie das wollen oder nicht, hat sich die Krankheit ins Innere des Landes ausgebreitet“, sagt Alphadio, der nur seinen Vornamen nennen will. „Sie haben solche Lügen verbreitet, dass unsere Partner und sogar die Bevölkerung irgendwann die Hände in den Schoß legten. Und das ist nun das Ergebnis, die Epidemie verbreitet sich überall im Land.“

Sein Kollege Kankou Marah pflichtet ihm bei: „Wir wissen alle heute, dass die Regierung ihre Interessen wahrt und vermeidet, der Bevölkerung die Wahrheit zu sagen, um die Investoren nicht zu vertreiben.“

Auch ein Religionsoberhaupt im muslimischen Guinea übt Kritik: Imam Thierno Ousmane Camara fordert „vom Präsidenten, diese Krankheit, die leider weiterhin Familien unglücklich macht, nicht zu verharmlosen“.

Anfang April hatte Guineas Präsident Alpha Condé am Sitz der WHO in Genf erklärt: „Im Moment ist die Situation unter Kontrolle und wir klopfen auf Holz, dass es keine neuen Fälle gibt.“ Bis dahin war die Zahl der Todesopfer im Land bei unter hundert.

Einige Tage später begrüßte Condé die Staatschefs der Region bei einem Treffen in Conakry mit den Worten, er sei dankbar für ihr Kommen „trotz des ganzen Lärms um Ebola“. Dieser „Lärm“ kommt vor allem von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans frontières, MSF), die seit Ausbruch der Epidemie in der Region aktiv ist.

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Auch in Liberia empören sich die Bürger

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