Ebola-Epidemie
Ist Ebola die Pest der Neuzeit?

Was vor drei Monaten noch Panikmache gewesen wäre, ist heute ein zulässiger Vergleich: So wie der schwarze Tod einst halb Europa dahinraffte, wütet Ebola in Afrika. Und selbst Europa kann sich nicht länger schützen.
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Es ist die schlimmste Ebola-Epidemie seit Entdeckung des Virus im Jahr 1976. Der Krankheitserreger verbreitet sich mit unkontrollierter Geschwindigkeit. Die vornehmlich betroffenen westafrikanischen Länder sind mit dem Krisenmanagement überfordert.

Diese Meldungen sind veraltet. Sie stammen aus der Zeit zwischen April und Juni dieses Jahres, als bis zu 350 Todesfälle auf Ebola zurückzuführen waren. Mittlerweile hat sich die Zahl der Ebola-Opfer verzehnfacht, beinahe 4.000 Menschen sind an der Epidemie gestorben. Wenn die Krankheit schon vor einem halben Jahr außer Kontrolle geraten war, wie ist der heutige Zustand zu beschreiben?

Der Ausmaß der Ebola-Epidemie ist gewachsen, und ein Ende nicht abzusehen. Im Gegenteil. Weltbank-Präsident Jim Yong Kim spricht bereits davon, dass die Weltgemeinschaft im Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus „kläglich gescheitert“ sei. Je länger die Seuche in den westlichen Ländern noch unterschätzt wird, desto größer ist die Gefahr, die von ihr ausgeht.

Ist die Ebola-Epidemie der „Schwarze Tod“, die Pest der Neuzeit? Aus jetziger Sicht nicht. Denn zumindest in Deutschland sind medizinisches Know-How und hygienische Standards gegeben – ganz im Gegensatz zu früheren Epidemien in der europäischen Geschichte, in der die Bürger der Krankheit macht- und hilflos gegenüberstanden.

Wenn die Schutzvorschriften verantwortungsvoll umgesetzt werden, so hoffen die Behörden, gilt eine massenhafte Ausbreitung der Krankheit als höchst unwahrscheinlich. Wenn sie eingehalten werden. Doch die jüngsten Entwicklungen geben Grund zur Sorge.

In Spanien ist am Montag der erste Fall einer Ebola-Infektion außerhalb Afrikas bekannt geworden. Die spanische Krankenschwester Teresa Romero hatte einen mittlerweile verstorbenen Priester betreut, der aus Sierra Leone in die spanische Hauptstadt gebracht worden war. Dabei hat sie sich vermutlich mit dem Virus infiziert.

Neben ihr und einigen Menschen, die in Kontakt mit der Patientin gekommen sind, müssen nun auch zwei Ärzte vorsorglich in Quarantäne. Damit erhöht sich die Zahl der auf der Isolierstation in Madrid beobachteten Menschen auf sieben. Bei keinem von ihnen wurde aber bisher Ebola nachgewiesen.

In Spanien kommen jedoch inzwischen Zweifel auf, ob die Regeln bei der Behandlung von Ebola korrekt eingehalten wurden. Nach der ersten Diagnose wurden Vorwürfe gegen das Madrider Krankenhaus Carlos III laut. „Irgendwo muss es ein menschliches Versagen gegeben haben“, sagte der Virologe Luis Enjuanes der Zeitung „El País“.

Am Dienstag versammelten sich die Angestellten des Krankenhauses, um den Rücktritt der spanischen Gesundheitsministerin Ana Mato zu fordern. Sie hätten keine ausreichende Schulung für den Umgang mit den Ebola-Patienten bekommen, klagten sie. Die einzige Hilfe die sie bekommen hätten, sei eine 30-minütige Schulung gewesen, man hätte ihnen nicht gezeigt, wie sie die Schutzkleidung anziehen sollen.

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