Ebola-Medikament ZMapp
Strohhalm im Überlebenskampf

In Westafrika fragen sich viele Menschen frustriert, warum sie das Ebola-Medikament ZMapp nicht erhalten. Doch Experten warnen vor möglichen Folgen - medizinischen, aber vor allem auch ethischen.
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BerlinWie kann die dramatische Ebola-Epidemie mit mittlerweile fast 1000 Toten in Westafrika gestoppt werden? Im Kampf gegen das tödliche Virus machte zuletzt ein Medikament von sich reden, das den Betroffenen möglicherweise helfen könnte: ZMapp. Zwei infizierte Amerikaner bekamen es bereits. Das große Problem: Bislang wurde es nicht am Menschen getestet. Damit ist nicht klar, ob es möglicherweise gefährliche Nebenwirkungen hat.

Dass zunächst zwei in die USA ausgeflogene Ebola-Patienten mit dem experimentellen Mittel behandelt wurden, wirft ethische Fragen auf und weckt Frust in Westafrika. „Wenn die Amerikaner dieses Serum schon die ganze Zeit hatten, warum haben sie es dann nicht den Afrikanern zur Verfügung gestellt, um dabei zu helfen, Leben zu retten?“, sagt Winston Ojukutu Macauley, ein Berichterstatter in Sierra Leone. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berief für diese Woche ein Treffen medizinischer Ethiker ein, um zu prüfen, ob ZMapp ohne Test am Menschen ausgegeben werden könnte.

Einen so schlimmen Ebola-Ausbruch wie derzeit gab es noch nie, in Westafrika infizierten sich bislang mehr als 1700 Menschen mit dem Virus, mehr als 930 starben daran. Am stärksten betroffen sind die Länder Liberia, Sierra Leone, Guinea und Nigeria. Es gibt keine geprüfte Behandlung oder Impfung gegen die Krankheit.

Experten stehen ZMapp allerdings vorsichtig gegenüber. „Wie oft haben wir magische Therapien gefunden, die am Ende mehr Schaden als Gutes angerichtet haben?“, sagt etwa Michael Osterholm. Der Professor der Universität von Minnesota berät die US-Regierung beim Umgang mit Infektionskrankheiten.

Forscher heben hervor, dass niemand wissen könne, ob ZMapp den beiden US-Patienten wirklich helfen kann. „Wir wissen nicht mal, ob es wirklich funktioniert“, sagt Anthony Fauci vom Nationalen Gesundheitsinstitut der USA.

Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München schließt Nebenwirkungen nicht aus. „ZMapp ist bisher rein experimentell“, sagte er. Das Immunsystem könne stark auf die Antikörper reagieren. „Da es bislang noch keine Daten oder Tests an Menschen gibt, sind die Aussagen über Nebenwirkungen von ZMapp schwierig. Theoretisch reicht die Bandbreite von leichtem Fieber bis hin zu Schockzuständen.“

Das Medikament ist ein Mix aus drei Antikörpern, die das Ebola-Virus im Körper aufspüren und infizierte Zellen binden sollen, damit sie vom Immunsystem getötet werden können. Diese Antikörper haben Forscher Labormäusen entnommen. Der Hersteller von ZMapp züchtet sie nun in Tabakpflanzen und bereite sie anschließend auf. Dieser Prozess sei „schmerzhaft langsam“, sagt Fauci. Nach Angaben des Herstellers kann es zwei bis drei Monate dauern, um überhaupt „eine geringe Menge zu produzieren“.

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