Ebola-Überlebende
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Wer Ebola überlebt, ist fortan immun gegen den Erreger. In den von der Epidemie betroffenen Regionen Westafrikas organisieren Überlebende Hilfe für Menschen, die wegen der Krankheit ausgegrenzt werden.
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Guéckédou/BerlinEs ist kein ganz gewöhnlicher Kindergarten, in dem Sabinetou Kamano arbeitet. Das liegt zum einen an den zu betreuenden Jungen und Mädchen, aber auch an Kamano selbst. Denn während die 40-Jährige das gefährliche Ebola-Virus überlebt hat und nun immun ist, sind die von ihr betreuten Kinder möglicherweise infiziert.

Untergebracht ist der Kindergarten in einem großen grauen Zelt, in direkter Nachbarschaft zum Ebola-Behandlungszentrum in Guéckédou, einer Stadt im Südosten Guineas. Die Ausstattung im Inneren des Zeltes ist spärlich. Ein paar durchgelegene Matratzen, mehrere grüne und blaue Plastikstühle. Dazu ein paar gespendete Spielsachen, ein Klapptisch und ein kleiner Gaskocher, um Wasser heiß zu machen.

Die Kinder, die hier gelandet sind, haben kein Zuhause mehr, in das sie zurückkehren könnten. Ihre Eltern werden nebenan in der Krankenstation behandelt oder sind bereits an Ebola gestorben. Ihre verbliebenen Angehörigen zögern oft, die Jungen und Mädchen bei sich aufzunehmen, nicht zuletzt aus Sorge, diese könnten infiziert sein.

Gemeinsam mit vier anderen Ebola-Überlebenden hat sich Kamano dazu entschlossen, jene Kinder zu betreuen, die ansonsten durch die ohnehin schon großen Maschen des Gesundheits- und Sozialsystems Guineas fallen würden. Einem Land, das wie seine westafrikanischen Nachbarn Liberia und Sierra Leone bereits heute schon heillos mit den fast 5000 Ebola-Toten überfordert ist.

Stigma und Diskriminierung

„Ich behandele sie wie meine eigenen Kinder“, sagt Kamano, während sie den dreijährigen Dama in seinem Laufstuhl einen leichten Schubs gibt. Der kleine Junge kam erst vor wenigen Tagen mit seiner Mutter in die Krankenstation. Während er keine Symptome zeigte, wurde seine Mutter positiv getestet. Um das Kind vor einer Ansteckung zu schützen, trennten die Ärzte beide. Dama hat sehr wohl begriffen, dass seine Mutter nicht mehr da ist. Doch um die Hintergründe zu verstehen, dafür ist er noch zu jung.

Nicht minder schwer ist das Schicksal der 18 Monate alten Yawa. Nachdem jüngst ihre Mutter an Ebola starb, möchte ihr Vater nichts mehr von ihr wissen. Er glaubt, das Mädchen sei „verseucht“. Ebola-Überlebende kennen das alles: Stigma und Diskriminierung, die Angst sowie die schmerzvolle Separation. Und wer sonst außer den Geheilten, könnte den Babys und Kindern den Hautkontakt geben, den sie so dringend brauchen?

Wer Ebola überlebt hat, ist nach bisherigen Erkenntnissen dagegen immun. Bislang ist noch kein Fall bekannt, in dem ein von der Krankheit genesener Mensch ein weiteres Mal erkrankte. Das könnte ein Schlüssel zur Bekämpfung der tödlichen Krankheit sein: Mediziner hoffen, aus dem Blut der Geheilten einmal ein Serum herstellen zu können, das auch andere Menschen vor Ebola schützen könnte.

Erste Versuche sind bereits angelaufen: So wurde unter anderem in Liberia eine Sammelstelle errichtet, um entsprechende Blutproben in Serum umzuwandeln. Ein aufwändiger Prozess, der hohe Anforderungen an die Hygiene stellt. Es muss zum Beispiel ausgeschlossen werden, dass mit dem Blut andere Krankheiten wie HIV oder Hepatitis übertragen werden. Auch deshalb rechnen manche Experten damit, dass ein wirkungsvolles Ebola-Medikament erst für die Betroffenen künftige Epidemien zur Verfügung stehen dürfte.

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