EHEC-Infektion
Deutschland-Urlauber verteilen Darmkeime in Europa

Das EHEC-Bakterium gelangte mit spanischen Salatgurken nach Deutschland. Weitere Quellen werden gesucht. Die Zahl der Infizierten in Deutschland steigt weiter. Die spezielle EHEC-Variante stellt Mediziner vor Rätsel.
  • 6

Hamburg/Madrid/Münster/BerlinEine Quelle der tödlichen EHEC-Infektionen ist gefunden: An drei Salatgurken aus Spanien hat das Hamburger Hygiene-Institut eindeutig den gefährlichen Durchfall-Erreger EHEC identifiziert. "Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensmittel als Infektionsquelle infrage kommen", teilte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) mit. Weitere Analysen liefen, Informationen zur Herkunft würden zusammengestellt. Inzwischen ist ein dritter Todesfall in Deutschland bestätigt.

"Wir ziehen alles aus dem Verkehr, was wir diesen Quellen zuordnen können", ergänzte die Senatorin. Auch eine Bio-Gurke sei betroffen. Die Gesundheitsbehörde gehe allen denkbaren Vertriebswegen nach. Die Proben stammten vom Hamburger Großmarkt. Eine weitere Gurke mit EHEC-Keimen könne derzeit nicht sicher zugeordnet werden. Prüfer-Storcks riet vom Verzehr von Salatgurken ab.

Das Agrarministerium in Madrid wollte sich zunächst nicht zu dem Fund äußern. Die Informationen aus Deutschland würden geprüft, sagte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa

Derweil breitet sich der Darmkeim in Europa aus. Fälle sind aus Großbritannien, Dänemark, den Niederlanden und Schweden bekannt - es sind jeweils Reisende aus Deutschland.

In Dänemark brachten Proben den ersten Nachweis einer Erkrankung in dem skandinavischen Land, teilte das Uni-Krankenhaus Aarhus mit. Der Patient sei außer Lebensgefahr, berichtete die Nachrichtenagentur Ritzau. Die Gesundheitsbehörden in Kopenhagen teilten mit, dass bei mindestens sechs weiteren Krankenhauspatienten EHEC-Verdacht bestehe.

Drei Deutsche starben bislang nachweislich an den Folgen der Infektion: eine 83-Jährige in Niedersachsen, eine 89-Jährige in Schleswig-Holstein und eine 24-Jährige in Bremen.

Uni Münster arbeitet an Schnelltest

Wissenschaftler der Universität Münster ist es gelungen, den grassierenden Darmkeim EHEC zu identifizieren. Es handele sich bei "O104H4" um eine seltene und veränderte Variante des Erregers, die gegen viele Medikamente resistent sei, berichtete der Mikrobiologe Prof. Helge Karch. Er leitet das Konsiliarlabor für das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Dieses ist die schlimmste Form einer EHEC-Infektion, die unter anderem zu Nierenversagen führen kann.

Nach der Identifizierung des tödlichen EHEC-Typs entwickeln die Forscher der Universität einen Schnelltest zum Nachweis der neuen Variante. Der Test solle schon in wenigen Tagen zur Verfügung stehen, teilte Karch mit.

Der derzeitige Ausbruch ist nach Einschätzung des Experten sehr ungewöhnlich. Der Keim sei zwar bekannt gewesen, habe weltweit aber noch nie einen Ausbruch der Durchfall-Krankheit verursacht, sagte Karch. In wenigen Tagen soll ein Test für diese Bakterien-Variante zur Verfügung stehen, kündigte er an.

Seite 1:

Deutschland-Urlauber verteilen Darmkeime in Europa

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%