Ehrung für Harald zur Hausen
Medizin-Nobelpreis für deutschen Krebsforscher

Der erste Tag der diesjährigen Nobelpreis-Woche wurde zum Tag der Europäer. Mit der Vergabe des Medizin-Nobelpreises an den deutschen Krebsspezialisten Harald zur Hausen und die französischen Aids-Forscher Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier geht die oft ausgezeichnete US-Forschung erstmals seit vielen Jahren leer aus. Wobei das Nobel-Komitee auch noch in einem europäisch-amerikanischen Forschungsstreit klar Stellung bezog.

STOCKHOLM. Auch in diesem Jahr darf die deutsche Wissenschaft wieder jubeln: Nach dem Physik-Nobelpreis im vergangenen Jahr an den Deutschen Peter Grünberg geht in diesem Jahr erstmals seit 13 Jahren der Medizin-Nobelpreis an einen deutschen Wissenschaftler: Harald zur Hausen erhält eine Hälfte des mit umgerechnet rund einer Mio. Euro dotierten Preises für seine Entdeckung der humanen Papillomviren (HPV), die für das Entstehen des bei Frauen weit verbreiteten Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind.

Die andere Hälfte der höchsten Wissenschaftsauszeichnung der Welt teilen sich die französischen Aids-Forscher Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier. Sie haben nach Auffassung des für die Preisverleihung zuständige Karolinska-Institut in Stockholm das Aids-Virus entdeckt.

Mit den drei ausgezeichneten Wissenschaftlern bleibt der diesjährige Medizin-Nobelpreis erstmals seit vielen Jahren wieder in Europa. In den vergangenen Jahren ging die Medizin-Auszeichnung meistens in die USA.

Der heute 72-jährige zur Hausen zeigte sich von der hohen Auszeichnung völlig überrascht. Erst eine dreiviertel Stunde vor der offiziellen Bekanntgabe habe er einen Anruf aus Stockholm erhalten, erzählte der ehemalige Leiter des renommierten Heidelberger Krebsforschungszentrums. Seine Überraschung ist verständlich, denn die Entdeckung des HPV machten zur Hausen und seine Mitarbeiter bereits vor mehr als 20 Jahren.

Ihre Entdeckung, dass HPV für den oftmals tödlichen Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sein kann, stand damals im starken Kontrast zur gängigen wissenschaftlichen Theorie. Die meisten Virologen gingen seit den 70-er Jahren davon aus, dass diese Krebsart durch eine Art Herpes-Infektion ausgelöst würde. Zur Hausen sah dagegen die Infektion mit HPV als Ursache für die Erkrankung. In den ersten Jahren stieß der Virologe aus Heidelberg damit bei seinen Forscherkollegen auf taube Ohren. Erst als es ihm 1983 gelang, die beiden zwei Virustypen 16 und 18, die als die beiden wichtigsten Auslöser von Gebärmutterhalskrebs gelten, zu isolieren, konnte er seine Kollegen überzeugen. Das Nobelkommitee in Stockholm schreibt denn auch in der Preisbegründung, dass zur Hausen „gegen ein verbreitetes Dogma“ angegangen sei.

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