Ein Berliner Unternehmen entwickelt die Stent-Technologie zur Behandlung von Arterien-Verengungen weiter
Herz-Spiralen zerstören sich selbst

Ein neues Produkt des Berliner Medizintechnikunternehmens Biotronik könnte die Therapie von Herzkrankheiten in Zukunft weiter verbessern. Es geht dabei um eine neuartige Generation von Stents, jener kleinen Metall-Spiralen, die in die ausgedehnten Engstellen von Herzkranzgefäßen vorgeschoben werden, um dort eine Wiederverengung zu verhindern.

DÜSSELDORF. In der Vergangenheit hatte sich gezeigt, dass sich bei bis zu 30 Prozent der Patienten die Stents der ersten Generation wieder zusetzten, womit der Blutstrom in den Herzkranzgefäßen wieder blockiert und damit erneut die Gefahr eines Herzinfarktes heraufbeschworen wurde.

Mehrere Forschungsgruppen versuchten, dieses Problem mit unterschiedlichen Methoden zu lösen. Dazu gehörten unter anderem eine Radioaktivierung der Stents oder eine kathetergestützte Bestrahlung. Es wurde auch versucht, die Gefäßstützen medikamentös zu beschichten – außerdem entwickelten Forscher verschiedene orale Therapien, bei denen unmittelbar vor der Implantation und auch danach bestimmte Medikamente eingenommen werden mussten.

Doch jeder dieser Ansätze hatte seine Nachteile – etwa allergische Reaktionen auf die medikamentöse Stent-Beschichtung. Außerdem konnten herzkranke Kinder nicht therapiert werden, weil die implantierten Stents nicht mitwachsen, wenn die Kinder größer werden.

Mit all diesen Schwierigkeiten soll jetzt ein „absorbierbarer“ Stent von Biotronik aufräumen. Er hält die Engstelle nach Angaben des Herstellers genauso gut offen wie die konventionellen Stahl-Stents, hat aber gegenüber diesen den entscheidenden Vorteil, dass er sich im Laufe mehrerer Wochen selbst auflöst. In dieser Zeit verliert die Engstelle ihre Elastizität, sie zieht sich also nicht wieder zusammen und bleibt auch nach Auflösung des Stents offen.

Biotronik hat nach eigenen Angaben acht Jahre an der Entwicklung des sich selbst auflösenden Stents gearbeitet. Erste Versuche mit abbaubaren Polymeren brachten nicht den gewünschten Erfolg. Dann konzentrierte man sich – einer Idee der Professoren Bernd Heublein und Gerd Hausdorf folgend – auf Metalle als Werkstoff. Als optimales Material für die absorbierbaren Stents stellte sich dabei eine hochkomplexe Magnesium-Legierung mit den Grundstoffen Zirkonium, Yttrium, seltenen Erden und anderen Bestandteilen heraus.

Mittlerweile werden die neuen Magnesium-Stents in 40 komplizierten Verfahrensschritten von der Biotronik in Berlin gefertigt. Nach langwierigen Tierversuchen und vorklinischen Tests hat man im Jahr 2003 erste klinische Erfahrungen beim Aufdehnen von Bein-Arterien gesammelt. Sie waren so ermutigend, dass im vergangenen Jahr auch eine erste versuchsweise Anwendung im Herzen erfolgte. Prof. Raimund Erbel, Direktor der Klinik für Kardiologie der Universität Essen, hat im Sommer vergangenen Jahres einer Patientin in Essen – als erster Herzkranken in der Welt – einen resorbierbaren Magnesium-Stent per Herzkatheter implantiert.

Der Erfolg sei sehr ermutigend gewesen, berichtet Erbel jetzt, sowohl was die dauerhafte Aufdehnung der Engstelle als auch die Resorption des Stents beträfe. Inzwischen seien auch bereits weitere Patienten behandelt worden. Der nächste Schritt sei nun, den Erfolg der neuen Methode in einer größeren Studie zu überprüfen.

Dazu soll jetzt bei einer Patientengruppe vier bis sechs Monate nach der Implantation der neuartigen Stents überprüft werden, ob die Öffnung der verengten Gefäße auch dauerhaft anhält. Die Aussichten hierfür seien ausgesprochen gut, sagt der Klinikdirektor.

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