Enscheidung über Kostenübernahme
Modernes Insulin macht Diabetikern das Leben leichter

Heute entscheidet sich, ob die Krankenkassen die Bezahlung für Patienten mit Diabetes Mellitus Typ 1 übernehmen. Experten rechnen mit einem klaren Nein und prognostizieren einen Umsatzrückgang für die Präparate. Dabei liegt Deutschland im internationalen Vergleich schon zurück.

FRANKFURT. Uwe Hellner ist seit fast dreißig Jahren zuckerkrank. Seine Bauchspeicheldrüse kann überhaupt kein Insulin mehr produzieren. Früher musste der heute 48-Jährige immer eine halbe Stunde vor dem Essen ein chemisch hergestelltes Humaninsulin spritzen, damit der Blutzuckerspiegel nach der Mahlzeit wieder ausgeglichen wurde. Seit einigen Jahren bekommt Hellner gentechnisch hergestellte, kurzwirkende Insulinanaloga verschrieben, die er wegen ihrer schnellen Wirkungsweise direkt zum oder nach dem Essen spritzen kann.

"Das macht mein Leben viel einfacher", sagt Hellner. Er muss nicht mehr nach der Uhr spritzen und essen. Und er muss nichts in sich hineinstopfen, was ihm möglicherweise gar nicht schmeckt, nur damit das vorher gespritze Insulin "etwas zu tun" bekommt und er nicht unterzuckert und im schlimmsten Fall kollabiert.

Ob Uwe Hellner und andere Patienten mit der Diabetes Mellitus Typ 1 in Zukunft gentechnisch hergestellte, kurzwirkende Insulinanaloga von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet bekommen, darüber berät heute der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA). Der ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für mehr als 70 Millionen Versicherte und legt damit fest, welche Leistungen der medizinischen Versorgung von der GKV erstattet werden.

Insulinhersteller wie Novo Nordisk oder Lilly rechnen damit, dass sich der Ausschuss so entscheidet, wie schon 2006 bei der ernährungsbedingten, im Volksmund als Altersdiabetes bezeichneten Typ-2-Variante: Weil der medizinische Zusatznutzen der kurzwirkenden Insulinanaloga nicht belegt ist, gebe es keinen Grund, die rund ein Drittel teureren gentechnisch hergestellten Mittel von den gesetzlichen Krankenkassen erstatten zu lassen, befand der G-BA damals. Er folgte damit der Begründung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das im Auftrag das G-BA den Nutzen der Insulinwirkstoffe untersucht hatte.

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