Entschlüsselung des menschlichen Erbguts bald kostengünstig und schnell
Das 1000-Dollar-Genom für jedermann

Die stolzen Eltern verlassen das Krankenhaus mit ihrem Neugeborenen im Arm. In der Tasche tragen sie neben Windeln und Kuscheldecke auch eine CD, auf der die gesamte genetische Information des Kleinen abgespeichert ist. Süßigkeiten wird er wohl selten bekommen, denn sein Genom, das alle in der DNA kodierten Informationen enthält, zeigt ein erhöhtes Risiko für Diabetes. Szenarien wie diese beflügeln seit der Entschlüsselung des ersten menschlichen Genoms im Jahr 2001 den Forschungseifer der Wissenschaftler.

SAN FRANCISCO. Wenn erst jeder Mensch seine genetische Information kennt, wird die Vorsorge und Behandlung von Krankheiten effektiver, das hoffen zumindest die Forscher. Bisher standen hoher zeitlicher Aufwand und Kosten von mehr als zehn Mill. Dollar für die Entschlüsselung eines einzelnen menschlichen Genoms dem Traum der personalisierten Medizin entgegen. Doch in den vergangenen Wochen gelangen gleich mehrere Durchbrüche auf dem Weg zum 1000-Dollar-Genom.

Das Biotech-Unternehmen 454 Life Sciences aus Branford, Connecticut, gab bekannt, dass es eine Methode entwickelt hat, die es erlaubt, das Genom eines Bakteriums in vier Stunden zu entschlüsseln; die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht. Die Sequenzierung des gleichen Genoms nach der traditionellen Sanger-Methode, die nach Nobelpreisträger Fred Sanger benannt ist, dauerte bisher mehrere Wochen. „Wir haben auch die Kosten auf rund ein Zehntel der bisherigen Methode gesenkt“, sagt Chris McLeod, Vorstandschef von 454 Life Sciences. Die Entschlüsselungsmaschinen, die über Roche Diagnostics bereits kommerziell erhältlich sind, kosten rund 500 000 Dollar und kommen bereits im Broad Institute, einer Gemeinschaftseinrichtung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Harvard University zum Einsatz.

Eine Forschergruppe an der Harvard Medical School veröffentlichte fast gleichzeitig eine ebenfalls neue Methode der DNA-Sequenzierung im „Journal Science“. Sie soll die Kosten für das Lesen von menschlichem Erbgut zumindest theoretisch auf 2,2 Mill. Dollar reduzieren. Doch bisher kann die Methode nur kürzere DNA-Fragmente von Bakterien entschlüsseln. Um auch für menschliche Genome einsetzbar zu sein, muss sie weiterentwickelt werden, so dass sie längere Stränge von DNA-Bausteinen am Stück entziffern kann.

„Beides sind faszinierende und vielversprechende Technologien“, sagt Jeffrey Schloss, Programmdirektor beim U.S. National Human Genome Research Institute (NHGRI), das gerade bekannt gab, Forschungsprojekte zur schnellen und günstigen DNA-Sequenzierung mit insgesamt mehr als 32 Mill. Dollar fördern zu wollen, um das Ziel des 1000-Dollar-Genoms schneller zu erreichen. Sowohl die Methode von 454 Life Science als auch die der Forschungsgruppe an der Harvard Medical School wurden vom NHGRI finanziell unterstützt. Schloss glaubt, dass das Ziel des 1000-Dollar-Genoms in fünf bis zehn Jahren erreicht sein wird. Dann werde das Entschlüsseln der persönlichen DNA in der Forschung und Behandlung zur Routine.

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