Epilepsie-Zentrum in Erlangen leistet Pionierarbeit in der Diagnostik
Mediziner messen Gehirnströme berührungslos

hsn DÜSSELDORF. Das Epilepsie-Zentrum am Universitätsklinikum Erlangen (ZEE) besitzt eines der modernsten Diagnostik-Systeme Europas. Die Mediziner messen die Gehirnströme der Patienten mit einem neuen Video-EEG-System, mit dem sich die Patienten frei in den Gruppen- und Schlafräumen bewegen können. Für die Behandlung der Epilepsie ist es zunächst wichtig, die Areale im Gehirn sichtbar zu machen, in denen die epileptischen Anfälle ausgelöst werden. „Diese Anfälle sind wie ein Gewitter im Gehirn, bei dem Blitze durch den Körper zucken“, erläutert der Leiter des Zentrums, Hermann Stefan. „Mit dem neuen System werden die Patienten mobiler.“

Wenn sie von einem Raum in den nächsten wechseln, müssen sie das Kabel, das mit den Kopfelektroden verbindet, nur aus der Steckdose ziehen, die mit dem Video-EEG-System verbindet, und im anderen Zimmer neu einstecken. Bislang mussten die Patienten während der Untersuchung in dem Untersuchungsraum bleiben. Und ein weiteres Diagnosesystem bringt den Patienten Erleichterung. Sollte eine Operation notwendig sein, dann müssen die Ärzte den Anfallsherd genau lokalisieren.

Die Erlangener arbeiten mit einem strahlungsfreien Untersuchungsverfahren, der so genannten Vielkanal-Magneto-Encephalographie, bei dem die Gehirnströme als winzige Magnetfelder berührungslos gemessen werden können. „Es müssen keine Elektroden mehr auf die Kopfhaut oder in den Schädel gesetzt werden“, bringt Stefan den Vorteil auf den Punkt. Mit den Messergebnissen wird der Anfallsherd im Gehirn des Patienten präzise bestimmt und zum Beispiel vom Sprach- oder Sehzentrum abgegrenzt.

Vor einer Operation des Patienten können die Messergebnisse in das Operationsmikroskop des Neurochirurgen eingespeist und während der Operation durch ein interoperativen Kernspintomographen dargestellt werden. Damit hat der Chirurg alle Informationen, die er benötigt, um den Epilepsieherd präzise ausschalten zu können und während des Eingriffs keine funktionalen Gehirnareale zu verletzen.

Eine Operation ist allerdings das äußerste Mittel bei schweren Formen der Epilepsie. In 75 Prozent der Fälle kann Patienten ambulant oder teilstationär mit einer medikamentösen Therapie geholfen werden. Auch in diesem Bereich sind die Erlangener führend. „Wir können im Rahmen von sorgsam abgesicherten klinischen Studien neueste Medikamente einsetzen, die in anderen Kliniken noch nicht verfügbar sind", sagt Stefan.

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