Erfolgreiche Stressbewältigung
Den Stress einfach weglächeln

Im Urlaub können Kraftreserven für den Alltag neu aufgetankt werden. Wie aber funktioniert das genau? Und können wir das lernen? Diese Fragen erforscht das Deutsche Resilienz-Zentrum in Mainz.

MainzDauernder Stress macht krank – es gibt aber auch Leute, denen macht das gar nichts aus. Was ist die neurobiologische Grundlage dafür? Diese Frage lässt den Resilienzforscher Beat Lutz nicht mehr los. Gemeinsam mit Forschern unterschiedlicher Disziplinen gründete er vor zwei Jahren das Deutsche Resilienz-Zentrum (DRZ) in Mainz – das bislang einzige Forschungszentrum in Deutschland zur seelischen Widerstandskraft gegen Stress.

Positiv zu denken ist nach Einschätzung des Wissenschaftlers wahrscheinlich einer der Faktoren, der verhindert, dass Menschen bei Stress vulnerabel, also verletzlich reagieren. So lautet der Gegenbegriff zu resilient, was allgemein „widerstandsfähig“ bedeutet und hier die psychische Widerstandsfähigkeit gegen Stress meint.

Den entsprechenden Abläufen im Gehirn widmet sich der 55-jährige Biochemiker schon seit Jahren. Etwa der Frage, wie das Gedächtnis funktioniert und wie der Körper Stress verarbeitet. Etliche Faktoren zur Förderung von Resilienz wurden bereits identifiziert, zum Beispiel Charaktereigenschaften, kognitive Fähigkeiten oder auch soziale Unterstützung.

„Wir wollen ein Framework entwickeln, welches nicht eine Liste von Resilienzfaktoren beschreibt, sondern ein System in die Forschung bringt, in dem generell wirksame Resilienzmechanismen beschrieben werden sollen“, erklärt Lutz.

Der Direktor des Instituts für Physiologische Chemie an der Universitätsmedizin Mainz forscht seit etwa 15 Jahren über Endocannabinoide: Das sind körpereigene Botenstoffe, die ähnlich wie Haschisch wirken und im Gehirn Schutzmechanismen aktivieren können – etwa indem sie Reaktionen dämpfen und so eine Balance zwischen unterschiedlichen Erregungszuständen herbeiführen. Sie können auf diese Weise auch ein Faktor für die Resilienz sein.

Das Resilienz-Zentrum ist bislang ein Verbund von Forschern verschiedener Disziplinen. Im Mai billigte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einen neuen Sonderforschungsbereich zur Resilienz-Forschung mit Fördermitteln von 12,1 Millionen Euro für vier Jahre. Schon im Titel des Programms unter Federführung von Professor Lutz wird die Aufgabe genannt: „vom Verstehen der Mechanismen zum Fördern der Prävention“. Neben den Mainzer Forschern wirken auch Wissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität und des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung mit.

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