Erkältungszeit Die Grippe ist im Anmarsch

Die Influenza-Saison hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Eine besondere Entwicklung in Deutschland erschwert die Lage. Wer sich jetzt noch impfen lässt, ist an Karneval besser geschützt.
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Die Saison kann noch bis März dauern. Quelle: dpa
Die Grippewelle hat begonnen

Die Saison kann noch bis März dauern.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie USA kämpfen mit der schwersten Grippewelle seit 13 Jahren. In Großbritannien ist das Gesundheitssystem National Health Service (NHS) überlastet. In Deutschland rollt die Welle dagegen erst an. „Der Gipfel der Grippewelle ist noch nicht erreicht. Die Saison kann auch noch bis März dauern“, sagt eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI). Auch jetzt mache eine Grippeimpfung noch Sinn, so das RKI, das ohnehin eine jährliche Impfung für Risikogruppen wie Senioren und bestimmte Patientengruppen, aber auch medizinisches Personal empfiehlt.

In der bisherigen Grippesaison bis Mitte Januar wurden in Deutschland rund 6400 bestätigte Fälle von Influenza gemeldet. Das sind zwar gut 4000 Fälle weniger als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Aber dennoch ist das kein Grund zur Entwarnung. Denn es kursiert ein Virenstamm, vor dem nicht alle Grippeimpfungen schützen.

Er heißt Yamagata aus der Gruppe der so genannten B-Viren und ist in dieser Saison bisher für knapp 60 Prozent der aktuellen Influenzaerkrankungen in Deutschland verantwortlich. Die Lage ist so ungewöhnlich, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) gerade eine neue Impfempfehlung veröffentlicht hat.

Das Problem bei Grippeviren ist, dass sie sehr wandlungsfähig sind. Das erschwert auch die Mixtur der Grippeimpfung, die Monate vor der Erkältungssaison von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen wird – auf Basis der Erfahrungen der vorangegangenen Grippesaison in Australien. Vier Virenstämme stehen im Fokus: jeweils zwei Viren vom Typ A und zwei vom Typ B. Die A-Viren kommen am häufigsten vor und werden für die schweren Grippewellen verantwortlich gemacht. Vor allem der Subtyp H3N2 sorgt aktuell in Amerika und Großbritannien für Zehntausende Erkrankungen.

In Deutschland war dieser Virus in der vergangenen Saison sehr stark, daher vermutet das Robert-Koch-Institut, dass es hierzulande noch eine gewisse Immunität gibt. Dafür gibt es in Deutschland derzeit besonders viele Yamagata-B-Viren. Und – das ist die Crux – die Impfstoffe, die am meisten verbreitet sind, schützen hiervor nicht. Denn sie bekämpfen nur drei der vier Virenstämme. Deshalb hat die Ständige Impfkommission vergangene Woche eine Impfempfehlung für eine so genannte tetravalente Impfung ausgesprochen, die also alle vier Virenstämme inklusiv Yamagata umfasst.

Die Impfstoffhersteller argumentieren seit Jahren, dass der vierstämmige Impfstoff einen besseren Schutz bietet. Aber er kostet natürlich mehr. „In Deutschland wird fast nur der dreistämmige Grippeimpfstoff verabreicht, weil die gesetzlichen Krankenkassen vorrangig auf den alten Rabattverträgen beharren“, sagt Anke Helten, Sprecherin des Impfstoffherstellers Glaxo Smithkline (GSK).

Für die Hersteller sind die Grippeimpfstoffe ein wichtiger Markt, der weltweit in die Milliarden geht. Fünf Unternehmen haben Grippeimpfstoffe im Programm: Der größte Impfstoffhersteller GSK, der französische Sanofi-Konzern, der US-Konzern Mylan sowie der zur australischen CSL-Gruppe gehörende Seqirus. Der britische Konzern Astra-Zeneca bietet zudem einen Impfstoff zum Inhalieren für Kinder an. GSK beispielsweise setzte mit seinem Grippeimpfstoff Fluarix 2016 umgerechnet knapp eine halbe Milliarde Euro um.

In Deutschland erstatteten die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2016 Grippeimpfstoffe für etwas mehr als 100 Millionen Euro. Hinzu kommen Privatversicherte und die Impfungen, die Unternehmen ihren Mitarbeitern bezahlen. Ob die Vierfach-Impfstoffe tatsächlich wirksamer sind als die dreifachen, wird sich erst nach Ende dieser Grippesaison herausstellen. Aber zumindest bieten sie den Schutz vor allen vier Virenstämmen. Die Wirksamkeit von Grippeimpfungen schwankt ohnehin sehr stark, weil sich die Viren so schnell verändern oder Varianten bilden, die die Impfung nicht erfasst. Laut RKI erreicht die Wirksamkeit bei gesunden Menschen bis zu 80 Prozent, bei Senioren 40 bis 60 Prozent.

Trotzdem können so Tausende Erkrankungen vermieden werden. Und weil die Grippesaison noch dauern kann, hält das RKI eine Impfung eben auch jetzt noch für sinnvoll, auch wenn der Aufbau des Impfschutzes etwa zwei Wochen dauert. Wer sich jetzt piksen lässt, ist an Karneval besser geschützt.

Eine Nachimpfung für alle die, die bereits eine dreistämmige Impfung bekommen haben, empfiehlt die Stiko aber nicht, nur für bestimmte Hochrisikopatienten könnte das sinnvoll sein.
In Österreich soll der Impfstoff bereits ausgegangen sein, für Deutschland gibt GSK Entwarnung: „Wir haben für die jetzige Grippesaison in Deutschland noch ausreichend Impfstoff. Denn wir sind davon ausgegangen, dass der vierstämmige Impfstoff benötigt wird“, sagt GSK-Sprecherin Helten.

Für die kommende Saison hofft das Unternehmen, dass mit der jüngsten Empfehlung der Stiko Vierfachimpfstoffe auch für gesetzlich Versicherte erstattet werden. „Wir werden darauf vorbereitet sein und produzieren in unserem Werk in Dresden ausschließlich den Vierfachimpfstoff“, so die GSK-Sprecherin.

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