Ernährungsforscher verbanden große Hoffnungen mit dem Hormon "PYY"
Vermeintlicher Appetitzügler unwirksam

HB DÜSSELDORF. Das Hormon PYY wurde vor knapp zwei Jahren als Durchbruch in der Adipositas-Forschung gefeiert. Britische Forscher hatten in den Zeitschriften „Nature“ und „New England Journal of Medicine“ über Versuche berichtet, bei denen das normalerweise vom Darm freigesetzte Hormon bei Ratten und menschlichen Versuchspersonen eine hungerdämpfende Wirkung erzielt hatte. Tiere wie Menschen nahmen in den 24 Stunden nach Behandlung mit PYY ohne Hungergefühle ein Drittel weniger Kalorien zu sich.Weltweit sahen Wissenschaftler und Öffentlichkeit die Arbeit als Meilenstein auf dem Weg zu einer wirksamen und verträglichen Therapie der Adipositas an.

In der kommenden Ausgabe von „Nature“ erheben gleich zwölf Forschergruppen gemeinsam Einspruch: In ihren Versuchen an Nagern war von einer Hunger dämpfenden Wirkung des PYY nichts zu spüren war. Ein Team unter Leitung von M. Tschöp und H.G. Joost vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke testete gemeinsam mit 36 Wissenschaftlern aus zwölf verschiedenen Institutionen die Wirkung des Hormons unter Anwendung neuester Methoden der Appetit- und Adipositasforschung. Überraschenderweise konnte in zahlreichen verschiedenen Versuchsanordnungen keinerlei Hemmung von Futteraufnahme oder Gewichtszunahme nach akuter oder chronischer Applikation festgestellt werden.

Die jetzt publizierten Daten der internationalen Gruppe um Tschöp sind ausführlicher und detaillierter als die der britischen Forscher. Es wurden ausgedehnte Serien von Kontrollen durchgeführt, die die biologische Aktivität der Substanz in anderen Versuchssystemen sowie die Empfindlichkeit der Versuchstiere gegenüber appetithemmenden Substanzen belegen.

Die Autoren dieser aufwändigen Studie hatten eigentlich beabsichtigt, die Forschung zum Therapieprinzip PYY voranzutreiben, und die negativen Ergebnisse nicht erwartet. Sie schließen nicht aus, dass es besondere, in der ersten Publikation nicht beschriebene Bedingungen gibt, unter denen das Hormon die Nahrungsaufnahme hemmt; damit wäre es zum therapeutischen Einsatz aber wenig geeignet.

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