Eyetech und Genentech entwickeln mit Hochdruck
Neue Wirkstoffe bekämpfen Erblindung

Zunächst ist es nur ein kleiner verschwommener Fleck in ihrem Sichtfeld, der manche ältere Menschen stutzig macht: Auf den Preisschildern im Supermarkt können sie einzelne Zahlen nicht mehr erkennen, beim Lesen eines Buches verschwimmen ganze Wörter. Die Diagnose des Augenarztes: Der Patient leidet an einer Netzhauterkrankung, die ihn binnen weniger Monate weitgehend blind machen kann. Denn der Fleck wächst beständig und lässt die Betroffenen die Welt bald nur noch schemenhaft erkennen.

DÜSSELDORF. Mehr als zwei Millionen Deutsche leiden an dieser so genannten altersbedingten Makuladegeneration (AMD) – eine Krankheit, die weltweit für die meisten Fälle von Blindheit im Alter verantwortlich ist. Bislang sind wirksame Therapien rar: Laserbehandlungen haben vielfach zu starke Nebenwirkungen, oft können Erkrankte nur noch zu vergrößernden Sehhilfen greifen. Eine Stärkung der Sehkraft ist nicht zu erzielen. Doch nun versprechen neue Medikamente aus der Biotech- Forschung Besserung. Sie sollen Patienten helfen, die an so genannter feuchter AMD leiden – der aggressiveren Form der Erkrankung.

Derzeit macht das vom US-Biotechunternehmen Eyetech und dem Pharmariesen Pfizer entwickelte Mittel Macugen von sich reden. Beobachter rechnen mit einer Zulassung des Medikaments in den USA Anfang 2005 und in Europa im Laufe des nächsten Jahres. Auch der Biotechriese Genentech arbeitet mit Hochdruck an seinem Entwicklungsprojekt Lucentis, das aus Sicht von Pharmaanalysten bis zur Marktreife aber ein bis 1,5 Jahre länger brauchen wird als Macugen.

Mit Hilfe der Wirkstoffe wollen Forscher die fortschreitende Erblindung bei AMD-Patienten stoppen. Die feuchte AMD trifft viele Menschen über 60, denn ihr Entstehen ist vor allem altersbedingt. Dazu kommen erbliche Faktoren und Ernährungseinflüsse. Bei den Erkrankten wuchern Blutgefäße in der Netzhaut, aus denen mit der Zeit Flüssigkeit austritt. Dies trifft das Sehvermögen deswegen so hart, weil die Wucherungen und Blutungen im Zentrum des schärfsten Sehens auftreten – der so genannten Makula.

Macugen und Lucentis greifen in diesen Prozess auf ähnliche Weise ein: Sie hemmen das so genannte VEGF-Hormon, dass die Wucherung der Blutgefäße antreibt. Die Testergebnisse beider Mittel sind nach Einschätzung von Medizinern gut: „Macugen ist eine sehr hoffnungsvoller Ansatz“, sagt Frank Holz, Direktor der Augenklinik des Universitätklinikums Bonn. Bei vielen Personen sei die Erkrankung gebremst und vereinzelt sogar eine Rückbildung der Gefäße erreicht worden. Nach Einschätzung Holz’ sind auch die Daten von Genentech für Lucentis aus der klinischen Prüfung viel verprechend.

Als Wundermittel will jedoch kein medizinischer Fachmann die neuen Wirkstoffe bezeichnen. „Macugen kann möglicherweise das Fortschreiten der AMD bremsen. Ein Mittel, dass die Krankheit rückgängig macht oder sogar verhindert, ist es aber nicht“, sagt Malaika Kurz-Levin, Oberärztin der Augenklinik am Universitätsspital Zürich. „Man darf die Erwartungen nicht zu hoch hängen.“

Bei der AMD-Therapie wird es nach Ansicht Kurz-Levins daher in den nächsten Jahren möglicherweise zu einer Kombination aus neuen Medikamenten und der bestehenden photodynamischen Therapie kommen. Sie ist bisher die einzig wirksame Behandlungsform der feuchten AMD: Dabei wird den Patienten ein Wirkstoff injiziert, der anschließend mit rotem Licht zur Bekämpfung der wuchernden Blutgefäße angeregt wird. Doch diese Therapie wirkt nur bei einem Teil der Erkrankten und oft nur verzögernd. Von einer Kombination mit Macugen oder Lucentis erhoffen sich Mediziner nun bessere Behandlungsergebnisse.

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