Fettumwandlung Wann kommt die Pille gegen Übergewicht?

Übergewicht ist vielen Ländern der Welt ein massives Problem. Weniger Essen und mehr Bewegung helfen, doch daran scheitern viele. In Zukunft könnte aber auch eine Pille das Körperfett zum Schmelzen bringen.
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Vielleicht könnte in Zukunft eine Pille das Körperfett zum Schmelzen bringen, hoffen Wissenschaftler. Quelle: dpa
Übergewicht

Vielleicht könnte in Zukunft eine Pille das Körperfett zum Schmelzen bringen, hoffen Wissenschaftler.

(Foto: dpa)

BerlinEs klingt zu schön um wahr zu sein, was Forscher aus Singapur kürzlich berichteten: Mit einem Pflaster hatten sie Mäusen einen Wirkstoff über die Haut verabreicht, der diese trotz fettreicher Nahrung nicht dick werden und überdies ihre Fettmasse schrumpfen ließ. Der Wirkstoff verwandelte das so genannte weiße Fett, das Energie speichert, in braunes Fett, eine Art Heizgewebe, das Energie verbrennt. Hat die Wissenschaft damit ein Mittel zur Bekämpfung der weltweiten Adipositas-Epidemie gefunden?

Ganz so weit ist es noch nicht. Aber die Idee der Fettumwandlung wird von vielen Experten als vielversprechend beschrieben. Und eine wirksame Strategie gegen die zunehmende Fettleibigkeit wird angesichts der möglichen Folgen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs händeringend gesucht.

Zehn Fakten über Fett
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Unterscheidung
Grundsätzlich werden Fette nach ihrer Herkunft unterschieden: Es gibt pflanzliche und tierische Fette. Pflanzliche Fette sind etwa Sonnenblumenöl oder Kokosfett; auch Nüsse und Saaten sind fettreich. Tierische Fette sind Schmalz, Sahne oder Butterfett - auch Fleisch- und Wurstwaren enthalten reichlich Fett. Fette, die bei Zimmertemperatur in flüssiger Form vorliegen, bezeichnet man als Öle.

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Energie
Fette sind ein wichtiger Energielieferant und -speicher für den Körper. Die meisten Körperzellen bevorzugen Zucker zur Energiegewinnung. Doch Fett ist der zweitwichtigste Brennstoff für die Zellen. Dabei liefert Fett reichlich Energie: Ein Gramm Fett liefert 9 Kilokalorien. Zum Vergleich: Zucker liefert etwa 4 Kilokalorien. Essen wir mehr als wir brauchen, kann unser Körper die überschüssige Energie in Form von Fett speichern - auch, wenn zu viel Zucker oder Eiweiß aufgenommen wurde. Diese Stoffe werden in Fett umgewandelt und im Fettgewebe eingelagert.

Bild: Reuters

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Triglyceride, gesättigte und ungesättigte Fettsäuren
Das Wort Triglyceride kennen viele von der Blutuntersuchung beim Arzt. Es bezeichnet die größte Gruppe der natürlich vorkommenden Fette, man nennt sie auch Neutralfette. Es ist die Form, in der der menschliche Körper Fett in seinen Zellen speichert. Dabei hängen drei (tri) Fettsäuren an einem Glycerin-Rest. Fettsäuren sind lange Ketten von Kohlenstoff und Wasserstoff. Je nachdem, ob das Kohlenstoffgerüst der Fettsäuren Doppelbindungen enthält, unterscheidet man gesättigte Fettsäuren (nur Einfachbindungen), einfach ungesättigte Fettsäuren (eine Doppelbindung) und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (zwei oder mehr Doppelbindungen). Unser Körper kann Fettsäuren selbst herstellen - aber dabei kann höchstens eine Doppelbindung eingefügt werden. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren zählen also zu den essentiellen Nährstoffen, die wir über unsere Ernährung aufnehmen müssen. Unser Körper braucht sie als Baustein für zahlreiche Stoffe.

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Cholesterin
Eier gelten als ungesund, weil sie viel Cholesterin enthalten. Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff, der aber nicht per se schlecht ist: Es ist ein wichtiger Bestandteil der Membranen, die unsere Zellen umgeben, ein Vorläufer vieler Hormone und der Gallensäuren, die wichtig für die Fettverdauung sind. Der Körper kann Cholesterin selbst bilden und nimmt es über tierische Nahrungsmittel auf. Im Idealfall herrscht hier ein Gleichgewicht, bei manchen Menschen funktioniert diese Regulation aber nicht. Dann kann es zu erhöhten Cholesterinwerten im Blut kommen, was mit einem erhöhten Risiko für Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) einher geht.

Es gibt zudem "gutes" (HDL, "high density lipoprotein") und "schlechtes" (LDL, "low density lipoprotein") Cholesterin. Die LDL-Partikel lagern sich an den Gefäßwänden an und beschleunigen die Arteriosklerose. Die "guten" HDL-Partikel zirkulieren in der Blutbahn und können sogar abgelagertes Cholesterin wieder einsammeln und abtransportieren. Sie gelten daher als Schutzfaktoren gegen einen Herzinfarkt.

Inwiefern die Cholesterinwerte durch Ernährung beeinflusst werden können, ist stark umstritten. Als wichtigster Ansatzpunkt, das LDL-Cholesterin zu senken, gilt körperliche Aktivität.

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Pflanzensterine
Immer wieder in den Schlagzeilen: Die Margarine Becel pro.activ, die damit beworben wird, den Cholesterinspiegel zu senken. Zuletzt verpflichtete die EU den Hersteller Unilever dazu, einen Warnhinweis anzubringen. Seit Februar 2014 muss auf der Packung stehen: "Becel pro.activ ist nicht bestimmt für Menschen, die ihren Cholesterinspiegel nicht zu kontrollieren brauchen."

Wie soll das überhaupt funktionieren? Die Margarine ist mit sogenannten pflanzlichen Sterinen angereichert. Das bekannteste tierische Sterin ist das Cholesterin. Pflanzensterine haben eine chemisch ähnliche Struktur. Sie verdrängen das Cholesterin im Aufnahmemechanismus während der Verdauung. So nimmt der Körper weniger Cholesterin auf. Pflanzensterine verringern aber auch die Aufnahme von Vitaminen aus der Nahrung und gehen ins Blut über. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert ein Verbot, da neuere Studien gezeigt hätten, dass die Margarine Ablagerungen in den Gefäßen und dadurch Herzkrankheiten verursachen könne.

Quelle: Becel

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Raffiniert, kaltgepresst, "extra" - was ist der Unterschied?
Was im Supermarkt als Speiseöl oder Pflanzenöl angeboten wird, ist meist eine Mischung raffinierter Öle. Sie zeichnen sich gegenüber nicht raffinierten Ölen durch eine längere Haltbarkeit, Geschmacksneutralität sowie einen geringeren Schadstoffgehalt aus.

Im Gegensatz dazu werden kaltgepresste, sogenannte native Öle nur gepresst und nicht erhitzt. Sie sind im Geschmack charakteristisch durch ihre Pflanzenart, etwa Oliven, geprägt. Native Raps- oder Walnussöle haben einen nussigen Geschmack. Die Zusatzbezeichnung "extra" findet sich bei Olivenöl, das direkt aus Oliven bester Qualität ausschließlich mit mechanischen Verfahren gewonnen wurde. Kaltgepresste Öle eignen sich vor allem für die kalte Küche (Salate, Vorspeisen, Desserts) - werden sie erhitzt, gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren.

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Welches Öl zum Braten und Frittieren?
Da hier mit besonders hohen Temperaturen gearbeitet wird, muss das Fett hitzestabil sein. Zum Braten eignen sich Öle mit einem Rauchpunkt über 160 Grad Celsius. Unter dem Rauchpunkt versteht man die Temperatur, ab der über einem erhitzten Fett eine deutlich sichtbare Rauchentwicklung beginnt. Dabei entsteht der giftige Stoff Acrolein, der auch krebserregend ist. Geeignet sind Raps-, Oliven-, Soja-, Maiskeim- oder Sonnenblumenöl, wobei darauf zu achten ist, dass es sich nicht zu stark erhitzt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Rapsöl, weil es die lebenswichtige Omega-3-Fettsäure Alphalinolensäure liefert.

In der Fritteuse braucht man höhere Temperaturen, dort kommen spezielle Frittierfette zum Einsatz. Das sind zum Beispiel Erdnussöl oder raffiniertes Rapsöl.

„Dass es derzeit noch kein pharmakologisches Mittel gibt, ist eine wirklich unbefriedigende Situation. Wir brauchen das dringend“, sagt Alexander Pfeifer, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Bonn. „Aber das Feld ist in Bewegung, da wird sich was tun.“

Die Fettzellen werden seit geraumer Zeit schon als möglicher Ansatzpunkt für eine Pharmakotherapie erforscht. Neben den bereits erwähnten weißen und braunen Fettzellen, gibt es im menschlichen Körper beige Fettzellen, die aus weißen heraus gebildet werden und genau wie die braunen Energie verbrennen. Gelänge es nun, das braune Fett pharmakologisch zu aktivieren oder die Umwandlung von weißen in beige Fettzellen zu stimulieren, hätte man womöglich ein Medikament zur Bekämpfung von Übergewicht in der Hand – so die Idee.

Dass die alles andere als abwegig ist, meint auch Tobias Fromme vom Lehrstuhl für Molekulare Ernährungsmedizin an der TU München: „In kleinen Säugetieren klappt das schon ganz gut“. Er und sein Team fanden kürzlich, dass die Menge an braunem Fett bei Erwachsenen etwa dreimal so groß ist wie bisher angenommen. Dies habe auch das Interesse der Pharmaindustrie an pharmakologischen Fettverbrennern neu entfacht, sagt Fromme.

Tatsächlich kennen Experten mittlerweile zahlreiche Botenstoffe, die die Aktivität und Umwandlung von Fettzellen begünstigen. Dazu gehören unter anderem Katecholamine wie Adrenalin und Noradrenalin, Hormone wie Östrogen, Testosteron und Progesteron oder Wachstumsfaktoren, wie Forscher um Marcel Scheideler vom Institute for Diabetes and Cancer am Helmholtz Zentrum München kürzlich in einem Übersichtsartikel zusammenfassten.

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