Forscher an der Uniklinik Erlangen entwickeln neue Krebstherapie
Erkältungsviren zerstören Tumorzellen in der Haut

Mit einer neuen Strategie wollen Erlanger Forscher künftig den Hautkrebs bekämpfen. Sie entwickeln gentechnisch veränderte Erkältungsviren, die Krebszellen ganz gezielt attackieren.

hsn DÜSSELDORF. „Tausende neuer Erreger schwärmen aus und befallen weitere Zellen“, erläutert Dirk Nettelbeck, Projektleiter an der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums, die Strategie. Die Winzlinge erkennen ihr Zielobjekt mit Hilfe von Antennen, mit denen sie an passende Oberflächenmoleküle der jeweiligen Zelle andocken, um dann einzudringen.

Jedes Jahr erkranken rund 120.000 Menschen in Deutschland an Hautkrebs, davon mehr als 11.000 an einem „malignen Melanom“, dem bösartigen schwarzen Hautkrebs. In dem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt sollen genetisch veränderte Viren – so genannte onkolytische Viren – ganz gezielt Hautkrebszellen befallen, diese zerstören und sich ausschließlich im Tumor ausbreiten. „Im Tiermodell konnte das Prinzip der viralen Onkolyse bereits erfolgreich angewandt werden, erste klinischen Studien in den USA verliefen vielversprechend“, sagt Nettelbeck. Die Erlanger Wissenschaftler setzen Adenoviren ein, die sehr gut untersucht sind und beim Menschen eher harmlose Erkältungskrankheiten erzeugen.

Von alleine infizieren Erkältungsviren die Krebszellen nur unzureichend. Damit die kleinen Helfer in der Krebs-Therapie zielgenau treffen, arbeitet das Erlanger Forscherteam an zwei Strategien zur Entwicklung so genannter onkolytischer Adenoviren: „Bei der einen Methode verändern wir die Antennen der Viren, damit sie effizient – im Idealfall sogar ausschließlich – an Hautkrebszellen andocken und nur in diese eindringen“, erklärt der Projektleiter.

Bei der anderen Strategie wollen die Wissenschaftler die Viren so manipulieren, dass ihr Vermehrungsprogramm nur in Tumorzellen gestartet wird - gesundes Gewebe also verschont bleibt. So ausgerüstet, sollen die Viren auch Tumorzellen in Tochtergeschwülsten zuverlässig aufspüren und diese zerstören.

Die Virus-Therapie könne mit konventionellen Methoden wie Operation, Chemo- und Strahlentherapie oder auch mit einer Immuntherapie kombiniert werden. „Wenn wir beim Hautkrebs Erfolg haben, ist es durchaus denkbar, dass unsere Virus-Strategie auch bei der Therapie anderer Krebsarten funktioniert“, hofft Nettelbeck.

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