Forscher gewinnen Antikörper
Alpaka hilft Biomedizinern

Am Anfang des Fortschritts stand der Zufall. Weil die Forscher kein Kaninchen töten wollten, um Antikörper zu gewinnen, griffen sie zur Blutprobe eines Alpakas, die zufällig im Kühlschrank ihres Labors lagerte. Bei der Aufbereitung machten die Biomediziner eine Entdeckung, die die Diagnose und Therapie von Krankheiten künftig verbessern könnte.

BERLIN. Neben den üblichen zweikettigen Antikörpern, zeigte sich zusätzlich eine einzelkettige Struktur. Was zunächst abstrakt klingt, könnte die Diagnose und Therapie von Krankheiten künftig kräftig voran bringen: „Einzelkettige Antikörper sind kleiner und stabiler als konventionelle Antikörper. Dadurch können sie in lebende Zellen eingeschleust werden“, erklärt Heinrich Leonhardt, Professor am Biozentrum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). „Nach Lehrbuch- und Expertenmeinung galt das bislang als unmöglich. Damit eröffnen sich für die biomedizinische Forschung ganz neue Möglichkeiten.“

Denn so können nun im Grunde alle Antigene in lebenden Zellen studiert werden, was Aufschluss über die Entwicklung von Krankheiten gibt und darüber wie Wirkstoffe beschaffen sein müssen, um Leiden zu kurieren. „Das Spektrum möglicher Anwendungen ist fantastisch“, sagt Leonhardt. In Kooperation mit einem HIV-Forschungslabor wolle sein Institut mit der Methode den Infektionsweg des Virus analysieren und so neue antivirale Strategien entwickeln. Von der Alzheimer-Therapie über die Krebsforschung bis hin zur Malariabekämpfung seien Fortschritte in Forschung, Diagnostik und Therapie denkbar.

Antikörper sind die Schlüsselreagenzien, mit denen biologische Moleküle und Strukturen nachgewiesen werden. Wegen ihres variablen Aufbaus lassen sie sich gegen ein breites Spektrum unterschiedlichster Antigene erzeugen. Bislang funktionierte das nur, indem tote Zellen aufgebrochen und Antikörper eingeschleust wurden, denn übliche Antikörper sind für lebende Zellen zu groß.

Die einzelkettigen Antikörper von Kamelen oder den verwandten Alpakas sind nicht nur kleiner und stabiler, sie lassen sich auch mit funktionellen Gruppen verbinden. So docken die LMU-Forscher fluoreszierende Proteine an. Damit entstehen „Chromobodies“, also eingefärbte Antikörper, die Prozesse in der Zelle sichtbar machen. Leonhardt: „Wir können so erstmals die Dynamik von Antikörpern in lebenden Zellen nachweisen.“ Wenn Forscher wissen, wie sich etwa Proteine bewegen und verändern oder wie sich ein Aids-Virus durch die Zelle bewegt, entstehen wertvolle Erkenntnisse für das gezielte Abblocken der Infektion.

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