Forscher klonen Javaaffen Das Klonen rückt dem Menschen näher

Vor über zwanzig Jahren wurde das Schaf Dolly geklont. Jetzt hat die Methode auch bei Java-Äffchen funktioniert. Menschliche Klone sind damit aber nicht unbedingt wahrscheinlicher geworden.
1 Kommentar
Zhong Zhong, einer der beiden nach der Dolly-Methode geklonten Affen. (Foto: Qiang Sun and Mu-ming Poo, CAS)
Geklonter Affe

Zhong Zhong, einer der beiden nach der Dolly-Methode geklonten Affen. (Foto: Qiang Sun and Mu-ming Poo, CAS)

BerlinEs war am 5. Juli 1996, als das Forscherteam um Ian Wilmut am schottischen Roslin-Institut die Geburt von „6LL3“ im Versuchsprotokoll notierte. Dass es sich dabei um „Dolly“ handelte, den ersten Klon eines Säugetiers aus der Euterzelle eines weiblichen Schafs, erfuhr die Welt erst am 27. Februar 1997 aus einem Artikel im Fachblatt „Nature“. Und sofort brach eine aufgeregte Diskussion los, ob nun alsbald auch Menschen geklont würden.

Tatsächlich versuchten sich einige mehr oder weniger zwielichtige Forscher daran. Darunter waren klare Blender wie etwa die Firma Clonaid der französischen Chemikerin und Sektenanhängerin Brigitte Boisselier. Aber auch handwerklich Geschicktere probierten es, etwa der Österreicher Karl Illmensee, der zuvor immerhin Fliegen geklont hatte und zwischen 2001 und 2013 heimlich im Labor des US-Fortpflanzungsmediziners Panayiotos Zavos in Kentucky mit menschlichen Ei- und Körperzellen Klone zu erschaffen versuchte.

Doch niemand meldete Vollzug, obwohl sich 23 andere Säugetierarten mehr oder weniger problemlos klonen ließen. Nicht einmal bei anderen Primaten als dem Menschen gelang die aufwändige Prozedur, bei der der Zellkern einer Haut- oder sonstigen Körperzelle in eine entkernte Eizelle gespritzt wird.

Erst jetzt vermelden chinesische Forscher im Fachblatt „Cell“, dass sie zwei Java-Äffchen klonen konnten: Zhong Zhong und Hua Hua, benannt nach dem chinesischen Wort „Zhonghua“, das die „chinesische Nation“ oder das „chinesische Volk“ umschreibt.

Der Aufwand war immens, den die Forscher vom Zentrum für Exzellenz in der Hirnforschung und Intelligenztechnologie und den staatlichen „Schlüssellabors“ für Neurowissenschaften und Neurobiologie der Primaten in Shanghai betreiben mussten. 127 Eizellen „ernteten“ sie aus den Eierstöcken von Java-Äffchen, um zunächst 109 Klonembryonen herstellen zu können. Von diesen entwickelten sich 79 augenscheinlich gut genug, um sie – verteilt auf 21 Leihmütter-Äffchen – in die Gebärmutter einzusetzen.

In sechs Fällen kam eine Schwangerschaft zustande, die vor acht und sechs Wochen zu den zwei Geburten führte. Eigenen Angaben zufolge probierten die Forscher verschiedene Klonmethoden aus, „aber nur eine funktionierte“, die Dolly-Methode, sagte Qiang Sun, der Direktor der Forschungsstation für die Erforschung von nicht-menschlichen Primaten der Chinesischen Akademie der Wissenschaften.

Streng genommen sind die beiden Java-Affen nicht die ersten Primatenklone, die Forscher hergestellt haben. 1999 hatten Forscher den Rhesusaffen „Tetra“ durch eine andere als die bei Dolly verwendete Methode geklont, das Embryosplitting. Dabei wird ein Embryo in einem sehr frühen Zwei- oder Vierzellstadium durchgeschnürt. Dabei passiert im Grunde das Gleiche wie bei der natürlichen Entstehung von Zwillingen, die ebenfalls Klone sind, weil sie (fast) ein und dasselbe Erbgut teilen.

Mit dieser Methode können aber nur wenige (etwa vier) Klone produziert werden. Außerdem taugt sie nicht, um das eigentliche Ziel der Forscher zu erreichen: Hat man genetisch identische Versuchstiere zur Verfügung, wie etwa bei Mäusen schon lange der Fall, lässt sich bei der Interpretation von Experimenten eine Unsicherheit, die genetische Variabilität, ausschließen. Das heißt, wenn man zwanzig identische Äffchen hat, von denen zehn Affen ein Medikament gegeben oder bei denen ein Gen verändert wird, dann lässt sich mit größerer Sicherheit die Wirksamkeit des Medikaments oder die Funktion des Gens durch den Vergleich mit den zehn unbehandelten, ansonsten aber identischen Affen erkennen.

„Es gibt viele Fragestellungen in der Primatenbiologie, die mit solchen Modellorganismen beantwortet werden können“, sagte Sun. Mit der neuen Klonprozedur können die Forscher nun im Reagenzglas Affenzellen gentechnisch verändern und daraus beliebig viele identische Affen züchten, mit denen sich die Ursachen diverser Erkrankungen untersuchen lassen.

Das Klonen bleibt technisch aufwändig
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%