Forschung
Gentechniker heilen Herzschwäche

Winzige Bruchstücke des Erbguts, die bis vor kurzem als unwichtig galten, könnten jetzt die Prävention, Diagnose und Therapie der Herzmuskelschwäche revolutionieren. Würzburger Forscher haben mit einem genetischen Trick Versuchsmäuse vor einer bisher unheilbaren Herzmuskelschwäche bewahrt.
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HB WÜRZBURG. Die Forscher um Stefan Engelhardt vom Rudolf-Virchow-Zentrum sowie Wissenschaftler der Medizinischen Klinik der Universität schalteten ein bestimmtes Signalmolekül in den Mäuseherzen aus. Damit verhinderten sie nicht nur den Ausbruch der Erkrankung, sondern konnten sogar an Herzmuskelschwäche erkrankte Tiere heilen, wie die Forscher im Fachjournal "Nature" (online vorab) berichten.

Da das gleiche Molekül auch bei Menschen an der Entstehung der Herzmuskelschwäche beteiligt ist, sind die Ergebnisse nach Einschätzung der Forscher vermutlich direkt auf den Menschen übertragbar. Bei ihrer Arbeit blockierten die Experten eine sogenannte Mikro-RNA (miRNA). Herzmuskelschwäche gehört zur Haupttodesursache in westlichen Ländern.

"Bisher haben wir nur Medikamente wie Beta-Blocker, Diuretika oder ACE-Hemmer, die das Fortschreiten der Erkrankung verzögern und dazu führen, dass die Patienten länger leben können, heilen können wir sie aber bisher nicht", so der Würzburger Kliniker Johann Bauersachs.

Die RNA (Ribonukleinsäure) ist eine Arbeitskopie des Erbmoleküls DNA. Die Würzburger Forscher fanden heraus, dass bestimmte kleine RNA-Stücke bei Menschen und Mäusen eine wesentliche Rolle für die Herzmuskelschwäche spielen. Ein Stück mit der Bezeichnung miR-21 aktiviert demnach einen Signalweg in Herzzellen, der zu den für das Herzleiden typischen Gewebeschäden führt.

Um diese miRNA außer Gefecht zu setzen, verabreichten die Wissenschaftler den Mäusen ein künstlich hergestelltes RNA-Stück, das sich wie eine Art Gegenstück auf miR-21 setzt und dieses damit unschädlich macht.

"Wir haben die Therapie im Tiermodell erstmals erfolgreich angewendet", sagte Engelhardt. Die Erkenntnisse könnten nach Ansicht der Wissenschaftler aber zügig auch zu neuen Therapien für Menschen führen. Der Weg zum Medikament und der therapeutischen Anwendung ist relativ kurz.

Der Mikro-RNA-Blocker sei chemisch relativ einfach aufgebaut und sehr leicht herzustellen, so die Experten zuversichtlich. Derzeit werde bereits mit einer Firma diesbezüglich kooperiert. Natürlich müsste ein solcher Blocker beim Menschen erst noch in klinischen Studien getestet werden.

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