Gefährliche Seuchen
Hochsicherheitsforschung am Tier

Tierseuchen können für Menschen zur tödlichen Gefahr werden, wie BSE oder die Vogelgrippe zeigen. In einem neuen Hochsicherheitslabor auf der Insel Riems wird künftig nach Wegen gesucht, solche Erreger zu bekämpfen.
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RiemsPrüfend fährt der Tierseuchenforscher Martin Groschup mit seiner Hand über Labortische aus Edelstahl. Von der Decke der Hochsicherheitszone des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Ostsee-Insel Riems baumeln blaue Luftschläuche – Lebensadern, die die in Überdruckanzügen gekleideten Virologen bald bei ihrer Arbeit mit den gefährlichsten Tierseuchenerregern mit Atemluft versorgen sollen.

In den zwei Geschossen über den High-Tech-Laboren arbeitet die Lüftungstechnik – autarke Systeme in doppelter Ausführung. Sie verhindern, dass Erreger in die Umwelt entweichen. Im abgeschotteten Kellergeschoss warten sogenannte Kill-Tanks für verseuchte Abwässer und eine eigene unabhängige Tierkörperbeseitigungsanlage auf ihren Einsatz.

Nach fünfjähriger Bauzeit wird am kommenden Freitag mit dem Hochsicherheitstrakt das Herzstück des neuen Friedrich-Loeffler-Instituts übergeben. Nirgendwo in Europa gibt es ähnliche Labore und Ställe der höchsten Sicherheitsstufe 4, in denen mit Großtieren an tödlichen Erregern wie Sars, Ebola oder dem Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fieber geforscht werden kann – Krankheiten, die, von Tieren übertragen, hochgefährlich für den Menschen sind und gegen die es bislang keine wirksame Impfung oder Therapie gibt. Lediglich im kanadischen Winnipeg und dem australischen Geelong arbeiten vergleichbar dimensionierte Einrichtungen, sagt Institutschef Thomas Mettenleiter.

Kanzlerin Merkel wird am Freitag bei der Einweihung des neuen Institutes einer der letzten Besucher in der tierischen Hochsicherheitszone sein. Schrittweise werden die komplexen Anlagen bis 2015 hochgefahren, Notfallsituationen trainiert und Mitarbeiter geschult, bevor dort mit den Erregern gearbeitet wird.

Rund 300 Millionen Euro investierte der Bund in den Forschungskomplex mit 89 Laboren und 163 Stalleinheiten. Aus Sicht der Tierseuchenforscher eine „weise, weitsichtige Entscheidung“, die der Bund 1996 und damit weit vor dem Rinderwahn BSE oder Vogelgrippe getroffen hatte. Erst kürzlich bescheinigte der Wissenschaftsrat dem Institut eine „exzellente Forschung“ im Kampf gegen Tierseuchen.

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