Gegenteilige Ergebnisse
Experten streiten über den Nutzen von Alzheimer-Medikamenten

Die medikamentöse Behandlung von Alzheimer bleibt umstritten. Wenige Tage, nachdem das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) den Einsatz so genannter Cholinesterase-Hemmer überraschend positiv bewertete, kam die britische Nice-Behörde zu einem ganz anderen Ergebnis.

FRANKFURT. Für die Hersteller dieser Medikamente, zu denen Pfizer, Novartis, die Johnson & Johnson-Tochter Janssen-Cilag sowie Shire Pharmaceuticals zählen, trübt die Entscheidung der britischen Behörde die Hoffnung auf Wachstum in Großbritannien. “Wir sind enttäuscht, haben aber keine Berufung eingelegt“, sagte ein Sprecher des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, dessen Alzheimer-Medikament Exelon im vergangenen Jahr weltweit einen Produktumsatz von 467 Mill. Dollar einspielte.

Nach Angaben der deutschen Alzheimer-Gesellschaft erkranken allein in Deutschland jedes Jahr rund 250 000 Menschen an dieser Form der Demenz, die anfangs kaum von altersbedingter Vergesslichkeit zu unterscheiden ist. Im Verlauf der Krankheit werden die Patienten aber oft so hilflos, dass eine Unterbringung im Pflegeheim notwendig wird.

Wollen Vertreter der Pharmaindustrie den volkswirtschaftlichen Nutzen ihrer Produkte unterstreichen, verweisen sie daher gerne auf das Sparpotenzial der Alzheimer-Medikamente. Sie könnten die Krankheit zwar nicht heilen, aber hemmen. So könnten sie nach Ansicht der Hersteller die kostenaufwendige Betreuung von Patienten herauszögern.

Diese Einschätzung teilen die Experten der britischen Behörde offenbar nicht. „Auf der Basis aller uns vorliegender Daten sind unsere Experten zu dem Schluss gekommen, dass diese Medikamente nicht genügend bewirken, um sie für alle Krankheitsstadien zu empfehlen“, sagte Nice-Chef Andrew Dillon. Dabei sei er sich bewusst, dass Alzheimer eine grausame Erkrankung ist, und die negative Entscheidung viele Patienten und Angehörige enttäuschen werde. Sie müssen das Medikament voraussichtlich künftig aus eigener Tasche bezahlen.

Für Novartis, dessen Alzheimer-Medikament nicht zu den zehn größten Produkten gehört, hält sich der wirtschaftliche Schaden nach Angaben des Konzernsprechers in Grenzen. „Großbritannien ist ein kleinerer Markt als etwa Deutschland und Frankreich, wo die Versicherer das Mittel auch künftig bezahlen“, sagte er. Doch auch in Deutschland gehen die Meinungen über die frühe Verordnung der Mittel auseinander. So reagierte etwa die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin verwundert auf den positiven IQWiG-Vorbericht. In einer Stellungnahme kritisiert die Fachgesellschaft das methodische Vorgehen des Instituts. „Aus unserer Sicht ist die Wirksamkeit der Cholinesterase-Hemmer bislang nicht ausreichend belegt“, sagte eine Sprecherin.

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