Gerinnungshemmer
Pradaxa ist nicht gefährlicher als andere Blutverdünner

Die Meldung über Todesfälle nach Einnahme von Pradaxa verunsichert Patienten. Die wichtigsten Fakten zu diesem und anderen Gerinnungshemmern und ihren Nebenwirkungen.
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Berlin/HamburgViele Patienten fragen sich, ob sie dem Medikament mit dem Handelsnamen Pradaxa noch vertrauen können. Das Mittel macht das Blut „flüssiger“ und senkt so unter anderem das Risiko von Schlaganfällen. Auf der anderen Seite kann es lebensbedrohliche oder sogar tödliche Blutungen auslösen.

Seit der ersten Zulassung des Mittels im März 2008 sind weltweit 260 Fälle von tödlichen Blutungen im zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme von Pradaxa aufgetreten, teilte der Hersteller Boehringer Ingelheim mit – nachdem es noch Anfang des Monats von Seiten des Unternehmens geheißen hatte, eine Zahl von 50 Todesfällen sei „realistisch“. Die Europäische Zulassungsbehörde Ema hatte am Freitag gegenüber Medien die Zahl von 256 Todesfällen genannt.

Hilfe bei gefährlichem Vorhofflimmern

Trotzdem hält Boehringer an Pradaxa fest und rät Patienten, das Mittel nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt abzusetzen. Es gebe „derzeit eine große Verunsicherung im Hinblick auf den Einsatz von Pradaxa“, sagte Unternehmenschef Andreas Barner am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Pradaxa sei aber ein „gutes Medikament“. Für Patienten, die gut auf das Arzneimittel eingestellt sind, gebe es keine Veranlassung, es abzusetzen.

Pradaxa war in der EU ursprünglich nur für die Vorbeugung von Blutgerinnseln nach Knie- und Hüftgelenksersatz zugelassen. Seit September 2011 ist die Zulassung auf die Anwendung bei Vorhofflimmern erweitert worden. So dürfen Ärzte es hierzulande nun auch als Prävention von Schlaganfällen und systemischer Embolie, dem Verschluss von Blutgefäßen, verschreiben. In den USA ist das bereits seit 2010 erlaubt.

Das Vorhofflimmern ist eine im Alter häufige Rhythmusstörung des Herzens, deren Ursache meist Durchblutungsstörungen sind. Die Herzvorhöfe ziehen sich nicht dann mehr im normalen Herzrhythmus zusammen, sondern „flimmern“. Die Herzkammern schlagen unregelmäßig, vor allem aber können sich in den nicht mehr regulär arbeitenden Herzvorhöfen Blutgerinnsel bilden.

Ein solches Blutgerinnsel kann sich etwa aus dem linken Vorhof lösen, über eine Schlagader ins Gehirn gespült werden und verstopft dann hier ein Blutgefäß – Schlaganfall. Patienten mit Vorhofflimmern haben ein fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko. Nach Schätzungen wird jeder vierte der heute 40-Jährigen später Vorhofflimmern bekommen.

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