Gesundheitsportale
Vorsicht vor Dr. Internet

Vier von fünf Internetnutzern suchen online nach Gesundheitsinfos. Tausende Ratgeberseiten geben Tipps. Die sind aber mit Vorsicht zu genießen, zeigt eine neue Studie. Im schlimmsten Fall kann es gefährlich werden.

FrankfurtVier von fünf Internetnutzern suchen nach Gesundheitsinformationen im Internet. Die sind aber in vielen Fällen mit Vorsicht zu genießen, wie jetzt eine aktuelle Studie der Central Krankenversicherung zeigt. Für die Untersuchung wurden mehr als 41 Millionen Google-Suchen zu Gesundheitsfragen analysiert und insgesamt 100 Ratgeberseiten im Internet unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis war ernüchternd: Mehr als 30 Prozent der bewerteten Webseiten schnitten mit „mangelhaft“ oder sogar „ungenügend“ ab. Über alle 100 Webseiten hinweg wurde gerade einmal die Durchschnittsnote „ausreichend“ (4+) erzielt. „Die meisten Angebote sind unvollständig, fehlerhaft und lassen den Suchenden oft ohne jegliche Einordnung zurück.“, urteilt Dr. Markus Homann, Leiter des Gesundheitsmanagements der Central Krankenversicherung.

Im schlimmsten Fall drohe, dass Gesundheitssurfer auf Grundlage falscher Informationen selbst Diagnosen erstellen und sich selbst behandeln. Der Gesundheitsmanager spricht sich deshalb für verbindliche Standards aus. „Bei Gesundheitsinformationen im Internet muss man im Sinne der Patientensicherheit akribisch und streng sein.“

Es ist nicht die erste Studie, die auf eine mangelnde Qualität von Gesundheitsinformationen im Internet hinweist. Und es ist auch kein deutsches Phänomen. In einer vom Britisch Medical Journal (BMJ) veröffentlichten Studie untersuchten Forscher 23 internationale Online-Portale auf ihre Tauglichkeit zur Ferndiagnose. Acht dieser Angebote gaben nach Eingabe der Symptome eine Diagnose an, vier empfahlen entsprechende Handlungsmaßnahmen und elf gaben beides an.

Auch hier waren die Ergebnisse der Untersuchung ernüchternd: In nur etwa einem Drittel aller Fälle nannten die Portale die richtige Diagnose und bei 58 Prozent der Patientenanfragen listeten sie den korrekten Befund unter den Top 20 der genannten Vorschläge.

„Das gibt dem Nutzer noch nicht einmal eine Fifty-Fifty-Chance auf eine zuverlässige Deutung seiner Beschwerden“, warnt Mediziner Ulrich R. Fölsch von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin angesichts dieser Ergebnisse.

Immerhin: Bei Symptomen, die einen Notfall suggerierten, gaben die Internet-Angebote mit Handlungsanweisung in 80 Prozent der Fälle die Empfehlung, einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen.

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