Handel mit Buschfleisch
Ebola verdirbt das Geschäft

Das Fleisch von Wildtieren gilt vielen Menschen in Afrika als Delikatesse – doch die Tiere können das Ebolavirus übertragen. Die Behörden versuchen deshalb, Verkauf und Verzehr des sogenannten Buschfleischs einzudämmen.
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AccraZiemlich verloren sitzt Yaa Kyerewaa auf dem Markt in Accra neben einem Berg von Tierteilen: Kieferknochen eines großen Nagetiers, Hufe von Wildschweinen, Schnecken. Dieses „Buschfleisch“ galt einst als Delikatesse, sein Verkauf brachte viel Geld ein. Doch der Ebola-Ausbruch in nahegelegenen Ländern Westafrikas hat die Kundschaft verschreckt, und Kyerewaa hat seit Tagen nichts verkauft.

Auf dem belebten Agbogbloshie-Markt der ghanaischen Hauptstadt boten immer mehrere Händler Fleisch von Wildtieren an, doch inzwischen ist sie die einzige. Die 53-Jährige sagt, mit den Einkünften aus dem Fleisch finanziere sie den Schulbesuch ihrer vier Kinder. Sie beklagt einen Einbruch der Einnahmen, nachdem die Gesundheitsbehörden erklärt haben, dass das Fleisch mit dem gefährlichen Ebola-Virus verseucht sein könnte.

„Buschfleisch ist gesund. Ich esse es normalerweise als besondere Mahlzeit an Sonntagen“, sagt die Händlerin. „Wir essen es seit Jahren, und jetzt wird es durch diese unnötigen Gerüchte unbeliebt gemacht. Keiner will unsere Produkte mehr kaufen. Es ist traurig.“

Viele Restaurants in Accra führen kein Buschfleisch mehr. Die Rohrratte, ein bis zu neun Kilogramm schweres Nagetier, war bisher besonders beliebt. Jäger fangen die Grasnager mit Fallen oder züchten sie zu Hause. Das Fleisch soll ähnlich wie Huhn schmecken.

Experten vermuten, dass viele Ebola-Ausbrüche vom Verzehr oder dem Umgang mit infizierten Tieren ausgelöst wurden. Anschließend verbreitete sich die Krankheit über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch. Flughunde und Primaten wie Schimpansen werden häufig als mögliche Überträger von Ebola genannt – Tiere, die in Afrika häufig gejagt werden.

Nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde CDC werden Ebola-Infektionen beim Menschen auf die Jagd, die Schlachtung und die Zubereitung von Fleisch infizierter Tiere zurückgeführt, nicht aber auf den Verzehr gekochten Buschfleischs. Ebola trat erstmals 1976 im Kongo auf, seither kam es dort und in anderen afrikanischen Staaten wiederholt zu Ausbrüchen. Der aktuelle ist der erste in Westafrika und die bislang am tödlichsten verlaufende Epidemie. Mehr als 4500 Menschen erlagen der Krankheit laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang, die meisten in Guinea, Sierra Leone und Liberia.

Zwar konzentrieren sich die Anstrengungen der Gesundheitsbehörden darauf, die Übertragung von Mensch zu Mensch zu unterbinden. Doch seien afrikanische Gesellschaften, die frei lebende Tiere jagen, gefährdet, sich bei potenziellen Virusträgern wie Flughunden, einigen Primatenarten und einer bestimmten Antilopenart anzustecken, warnt die Welternährungsorganisation (FAO).

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Flughund-Suppe gilt als Delikatesse

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