Health-i-Award
Mauern einreißen

Beim Health-i-Award in Berlin haben die Krankenkasse „Die Techniker“ und das Handelsblatt gemeinsam innovative Lösungen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens ausgezeichnet.
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BerlinEs gibt Menschen, die gründen eine Firma, weil sie gern Unternehmer wären. Und es gibt solche, die werden Unternehmer, weil sie etwas in der Welt verändern möchten. Hanna Jakob und Mona Späth gehören zur letzteren Kategorie. Die beiden Sprachtherapeutinnen waren so empört über die Art und Weise, wie Patienten in Deutschland nach einem Schlaganfall behandelt werden, dass sie kurzerhand beschlossen, die Sprechtherapie zu digitalisieren.

„Wir hatten im Studium gelernt, was theoretisch alles möglich ist. In der Praxis saßen wir dann da mit Papierblättern. Das war total frustrierend“, erzählt Jakob. Mit der App Neolexon könnten Therapeuten individueller auf Patienten eingehen, deren Sprachvermögen nach einem Schlaganfall beeinträchtigt ist.

Außerdem könnten die Betroffenen nun auch zu Hause gefördert werden – und zwar so oft wie nötig und möglich. Bislang erhalte ein Schlaganfallpatient im Schnitt nur eine einzige Stunde Therapie pro Woche.

Für ihre Idee gewannen Späth und Jakob den ersten Preis in der Kategorie „Junge Talente“ beim Health-i-Award, den die Krankenkasse Die Techniker und das Handelsblatt zum zweiten Mal gemeinsam verliehen haben. „Wir wollen Gründern und Innovatoren eine Plattform geben“, begründet Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblatts, die Initiative. Techniker-Chef Jens Baas wünscht sich, dass auf diesem Weg mehr gute Ideen ihren Weg ins Gesundheitswesen finden. „Es gibt Leute im Gesundheitssystem, die wollen gar nicht, dass sich etwas ändert“, sagte Baas im Rahmen der Preisverleihung in der Berliner Musikbrauerei. Wenn man die Digitalisierung voranbringen wolle, müsse man erstmal die Mauern zwischen den Akteuren einreißen, betonte Baas, einander besser kennenlernen.

Die Techniker versucht dies auch im Rahmen ihres Accelerator-Programms, an dem auch Neloxon teilgenommen hat. Unterstützung konnten die beiden Wissenschaftlerinnen, die nebenbei noch ihre Doktorarbeit schreiben, vor allem bei der Unternehmensführung gebrauchen: „Wir waren durch und durch Therapeutinnen. Präsentieren, Rausgehen, Auf-der-Bühne-stehen, das war für uns erstmal ungewohnt“, erzählt Späth. Jetzt seien sie der Beleg dafür, „dass man auch ohne BWL-Kenntnisse gründen kann, nur mit Wikipedia.“

Es sind oftmals die Forschertypen, die inhaltlich Getriebenen, die im Gesundheitswesen gründen. Dazu gehört auch Tom Renneberg, Geschäftsführer von Esanum und erster Preisträger in der Kategorie Unternehmen. Esanum ist ein Netzwerk von Ärzten für Ärzte. Mediziner können sich austauschen und informieren – zum Beispiel über seltene Krankheiten. Anfangs habe er das Forum nur für seinen Onkel aufsetzen sollen, der Chefarzt einer Gynäkologie-Station sei, erzählt Renneberg, selbst ein studierter Molekular-Genetiker. Inzwischen führt er bei Esanum rund 50 Mitarbeiter. Europaweit seien 300.000 Kollegen registriert. In Deutschland seien es 80.000. „Die deutschen Ärzte behalten die besten Behandlungsmethoden gerne für sich“, sagt der Unternehmer. Dabei scheint gerade dies der Schlüssel zu mehr Fortschritt und Effizienz im Gesundheitswesen zu sein: Das Teilen von Informationen.

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