Heidelberger Ärzte bekämpfen frühzeitig die Bildung von Tochtergeschwülsten
Individuelle Darmkrebsbehandlung erhöht die Heilungschancen

Ärzte der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg haben eine Methode entwickelt, mit der die Behandlung von Darmkrebs verbessert werden könnte. Vor einer Entfernung des Tumors untersuchen die Heidelberger Mediziner das Blut der Krebspatienten, um herauszufinden, ob der Tumor bereits Tochtergeschwülste gebildet hat.

hsn DÜSSELDORF. Werden Krebszellen gefunden, dann beginnen die Heidelberger Chirurgen schon vor der Operation mit einer Chemo- oder Strahlentherapie.

In Deutschland erkranken jährlich rund 57 000 Menschen an Dickdarmkrebs. Diese Erkrankung ist im Gegensatz zu vielen anderen Tumorarten heilbar, wenn es gelingt, das bösartige Gewebe vollständig zu entfernen und alle Krebszellen zu beseitigen. „Häufig haben sich jedoch bereits vor einer Operation Krebszellen über das Blut im Körper verbreitet, ohne dass dies erkannt wird“, sagt der Heidelberger Chirurg Moritz Koch. So kommt es beispielsweise bei etwa der Hälfte der Darmkrebs-Patienten zu Metastasen in der Leber. „Auch diese Menschen haben eine Chance auf Heilung, wenn sie frühzeitig mit einer individuellen Tumortherapie aus schonender Operation, Chemo- und Strahlentherapie behandelt werden“, sagt der Mediziner.

Die Heidelberger Ärzte haben in einer Studie den Krankheitsverlauf von 37 Patienten beobachtet, bei denen Lebermetastasen entfernt wurden. Sie nutzten dazu einen sehr empfindlichen Bluttest, um die Tumorzellen nachzuweisen. Der Test sei so leistungsfähig, dass im Blut, Knochenmark oder in einer Gewebeprobe aus Lymphknoten eine Tumorzelle unter 107 gesunden Zellen identifiziert werden kann, sagt Koch. Das Ergebnis: Bei Patienten, bei denen nach der Operation zirkulierende Tumorzellen im Blut nachgewiesen wurden, traten – wie von den Ärzten erwartet – später neue Metastasen auf.

In einer weiteren Studie, die die Mediziner in der amerikanischen Zeitschrift „Annals of Surgery“ veröffentlicht haben, konnten sie zeigen, dass Patienten, in deren Blut oder Knochenmark bereits vor der Entfernung des Tumorgewebes in der Leber Krebszellen nachgewiesen wurden, größere Heilungschancen haben, wenn sie vor der Operation mit einer zusätzlichen Chemotherapie oder Bestrahlung behandelt wurden.

Zurzeit untersuchen die Heidelberger ihre dritte These, nach der der Chirurg mit einer schonenden Operation der Leber verhindern kann, dass sich die Tumorzellen erneut im Körper ausbreiten.

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