Herz
Neuer Turbo für den Blut-Kreislauf

Techniker haben eine neue Lösung entwickelt, um die Funktion des Herzens vorübergehend zu ersetzen. Per Katheter implantieren die Mediziner eine Art Mini-Schiffsschraube in die Hauptschlagader des Patienten. Der winzige Propeller pumpt pro Minute mehrere Liter Blut durch den Körper.
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BERLIN. Herzschwäche, massive Durchblutungsstörungen, beginnendes Nierenversagen: Der 65-jährige Patient schwebte in Lebensgefahr, als er Anfang dieses Jahres in das Uniklinikum im schwedischen Lund eingeliefert wurde. Sein krankes Herz konnte die Organe nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgen - ein Multi-Organversagen drohte. Ihm konnte schnell geholfen werden: Per Katheter implantierten die Mediziner eine Art Mini-Schiffsschraube in die Hauptschlagader des Patienten. Der winzige Propeller pumpt das Blut durch die Gefäße und unterstützt das schwächelnde Herz.

Die Idee für die neue Technik zur Herzunterstützung kam dem schwedischen Kardiologen Oyvind Reitan beim Segeln. Er sah den faltbaren Propellermotor seines Bootes und übertrug das Prinzip auf ein System, mit dem der Blutkreislauf in Schwung gebracht werden kann. Das Medizintechnik-Unternehmen Cardiobridge aus Hechingen in Baden-Württemberg entwickelte die neue Mini-Herzpumpe dann zur Produktreife.

"Unser System ist klein genug, um es problemlos über einen Katheter in das Gefäß einzuführen und stark genug, um die Funktion des Herzens vorübergehend zu ersetzen", erläutert Klaus Epple, der bei dem schwäbischen Start-up für die Forschung zuständig ist, die Vorteile der neuartigen Kreislaufpumpe.

Der Propeller von Cardiobridge misst derzeit im zusammengefalteten Zustand knapp fünf Millimeter im Durchmesser - und soll bald bis auf drei Millimeter schrumpfen. Über einen Katheter wird er in die Leistenarterie eingeführt und dann in der Hauptschlagader bis fast zum Herzen vorgeschoben. Dort werden die Propellerblätter ähnlich wie bei einem Regenschirm entfaltet. Ein Schutzkäfig verhindert Schäden an der Gefäßwand. Über eine Antriebswelle im Katheter wird der Propeller auf bis zu 13 000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt und entwickelt dadurch eine Kraft, mit der er pro Minute mehrere Liter Blut durch das Kreislaufsystem pumpen kann.

Die neue Blutpumpe wird seit kurzem an Patienten getestet. Die Ergebnisse seien so vielversprechend, dass das System in etwa einem Jahr zugelassen werden könnte, schätzt Epple. Wenn die klinischen Studien abgeschlossen sind, will Cardiobridge den wachsenden Markt für Herzunterstützungssysteme erobern: "Unser System ist in erster Linie für Notfallpatienten gedacht, ein Einsatz wäre aber auch zur Überbrückung der Herzfunktion während Herzoperationen denkbar", sagt Epple. Herzinfarkt, Sepsis, chronische Herzleiden: Weltweit könnten dem Unternehmen zufolge jährlich viele Hunderttausend Patienten von dem System profitieren.

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