Hintergrund
Die Gefahren der Vogelgrippe

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Vogelgrippe noch nie so weite Kreise gezogen wie derzeit. Zwei Jahre nach dem jüngsten Ausbruch Ende 2003 in Südostasien hat das auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 nun auch Europa erreicht. Folgende Gefahren stehen im Vordergrund:

Gefahr für Tiere: Das Vogelgrippe-Virus wird vor allem bei Hühnern, Zugvögeln und Enten gefunden. Es wird über Kot und Körpersekrete weitergegeben. Dabei zeigen infizierte Enten häufig keine Symptome. Wildvögel tragen auch in Deutschland Vogelgrippe-Erreger in sich, das besonders gefährliche Virus H5N1 wurde allerdings noch nicht nachgewiesen. Von Tauben, die viele Städte bevölkern, geht nach Einschätzung der Behörden keine große Gefahr aus. Sie gelten als wenig empfänglich für das Virus. In den vergangenen zwei Jahren verendeten in Asien mehrere zehn Millionen Vögel oder wurden getötet wegen der Vogelgrippe.

Auch bei Schweinen sowie toten Tigern und Leoparden in Thailand wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts Viren nachgewiesen. Rein theoretisch lässt sich auch eine Übertragung auf Hunde, Katzen, Rehe und Füchse nicht ausschließen, wie Experten erläutern. Eine Übertragung des Virus von diesen Tieren auf den Menschen ist bislang nicht nachgewiesen.

Gefahr für Menschen: Auch der Mensch kann an Vogelgrippe erkranken, allerdings wird die Gefahr derzeit noch als gering eingestuft. Wie bei der Ansteckung unter Tieren gilt auch für den Menschen: Ein Kontakt mit dem Kot infizierter Tiere, aber auch etwa mit Speichel sollte unbedingt vermieden werden. Obwohl Menschen und Hühner in Asien oft auf engem Raum zusammenleben, haben sich dort relativ wenige Menschen infiziert. Vom Auftreten des Virus Ende 2003 bis 10. Oktober 2005 bestätigte die WHO 117 Erkrankungsfälle in vier asiatischen Ländern, 60 Menschen davon starben. Am stärksten betroffen ist Vietnam. Eine Ansteckung durch Essen gilt als unwahrscheinlich, das Virus wird beim Erhitzen zerstört.

Die WHO empfiehlt, beim Garen von Geflügelfleisch darauf zu achten, dass eine Brattemperatur von 70 Grad erreicht wird. In Ländern mit Vogelgrippefällen sollten Eier weder roh noch weich gekocht verzehrt werden, sondern nur hart gekocht. In Deutschland wurde das Virus noch in keinem Vogel gefunden. Die EU hat weit reichende Importverbote für Geflügel und dessen Produkte aus den betroffenen Ländern verhängt.

Supervirus und Pandemie: Fachleute befürchten, dass sich der Erreger der Vogelgrippe mit dem der menschlichen Grippe mischt und dann eine Art „Supervirus“ entsteht. Dieses wäre leicht von Mensch zu Mensch übertragbar, es drohte eine weltweite, extrem gefährliche Grippe-Pandemie. Ein solches Virus wurde aber noch nicht entdeckt. Dennoch warnen Experten seit langem vor einer Epidemie über Länder oder Kontinente hinweg. Im 20. Jahrhundert gab es drei weltweite Grippe-Epidemien, von denen die Spanische Grippe im Jahr 1918 mit mehr als 20 Mill. Toten die bekannteste ist. Eine gefährliche Grippe-Epidemie könnte nach Ansicht aller Experten aber auch von einem völlig anderen Erreger als dem Vogelgrippe-Virus ausgelöst werden. Im Extremfall gäbe es nach WHO-Einschätzung rund um den Globus massive Engpässe bei geeigneten Impfstoffen und wirksamen Medikamenten.

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