Hirnforschung Können Pilze Alzheimer auslösen?

Im Hirn von Alzheimerpatienten haben Mediziner Pilzspuren nachgewiesen. Könnte eine entsprechende Infektion tatsächlich für den Ausbruch der neurodegenerativen Krankheit verantwortlich sein?
Könnten Pilze verantwortlich sein für die Entstehung von degenerativen Hirnerkrankungen wie Alzheimer? Quelle: dpa
Menschliches Gehirn

Könnten Pilze verantwortlich sein für die Entstehung von degenerativen Hirnerkrankungen wie Alzheimer?

(Foto: dpa)

HeidelbergMan findet nur, wonach man sucht – diese Binsenweisheit bewahrheitete sich wieder einmal in der Arbeit von Luis Carrasco von der Universidad Autónoma de Madrid und seinen Kollegen: Sie entwickelten Antikörper, die sich an Pilzzellen binden und untersuchten damit das Gehirn von elf an Alzheimer verstorbenen Patienten sowie zehn Vergleichspersonen, die die neurodegenerative Erkrankung nicht entwickelt hatten.

Und tatsächlich wurden die Forscher im Gewebe der Betroffenen fündig, nicht aber in jenem der alzheimerfreien Menschen. Besonders betroffen waren davon der entorhinale Kortex und der Hippocampus, die beide schon in einem frühen Stadium von Alzheimer Anzeichen der Erkrankung zeigen.

Sieben Faktoren, die Alzheimer begünstigen
Fünf Jahre Pflege-TÜV
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Wer sich an bestimmten Stellen um eine gesündere Lebensweise bemüht, kann damit einer neuen Studie zufolge die Gefahr einer Alzheimer-Erkrankung merklich senken. Wie eine Untersuchung des Instituts für öffentliche Gesundheit an der Universität im britischen Cambridge herausfand, sollten dafür vor allem sieben Faktoren in den Blick genommen werden.

Diabetes
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Eine Diabetikerin spritzt sich Insulin: Diabetes ist nur eine von mehreren Ursachen, die eine Alzheimererkrankung begünstigen. Eine gesunde Lebensweise kann helfen, das Diabetes vorzubeugen.

Bluthochdruck weltweit größte Gesundheitsgefahr
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Schon Bluthochdruck allein ist eine große Gesundheitsgefahr. Im Zusammenhang mit Alzheimer-Erkrankungen zählt er laut Studie zu einem der wesentlichen bekannten und begünstigenden Faktoren. Aber auch genetische Vorbedingungen und äußere Einflüsse prägen das persönliche Risikoprofil.

Mehr als halbe Milliarde Menschen zu dick
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Studienleiterin Carol Brayne erklärt, dass es wichtig sei, die Faktoren nicht isoliert zu sehen, sondern Zusammenhänge wie etwa zwischen Bewegungsmangel und Übergewicht zu berücksichtigen.

Stressbewältigung und Burn-Out
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Die Wissenschaftler der Universität Cambridge gehen davon aus, dass Depressionen ebenfalls das Auftreten von Alzheimer begünstigen. Die Studie besagt, dass die Zahl der Alzheimer-Patienten weltweit von etwa 30 Millionen im Jahr 2010 auf rund 106 Millionen im Jahr 2050 steigen wird.

A picture taken on July 9, 2014 shows a member of the Catalan Federation of Cannabis Association smoking marijuana in Barcelona. Catalan police conduc
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Weniger – oder besser gar nicht – zu rauchen, mildert das Risiko, im Alter an der „Krankheit des Vergessens“, wie ihr Entdecker Alois Alzheimer sie nannte, zu leiden. Die Alzheimer-Krankheit kann vor dem 50. Lebensjahr auftreten, ihre Häufigkeit steigt aber mit dem Alter stark an. Nur zwei Prozent erkranken vor dem 65. Lebensjahr. Bei den 85- bis 89-Jährigen leidet jeder Vierte an Demenz, bei den über 90-Jährigen jeder Dritte.

Ganztagsschule
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Als siebten Faktor identifizierten die britischen Forscher mangelnde Bildung. Ihren Berechnungen nach könnten 8,5 Prozent der für das Jahr 2050 erwarteten Alzheimer-Fälle, also etwa neun Millionen, vermieden werden, wenn bei jedem der genannten sieben Faktoren die Risiken um zehn Prozent gesenkt werden. Quelle: afp

Die Mediziner konnten Pilzzellen und weitere Spuren verschiedener Arten im Inneren der Nervenzellen wie auch an den Blutgefäßen des Denkapparats sowie im Gehirnwasser nachweisen und über einen DNA-Abgleich die Spezies bestimmen. Sie fanden beispielsweise die Hefe Candida albicans, die bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem häufig Erkrankungen auslöst.

„Dass es sich um verschiedene Arten handelt, könnte erklären, warum sich Alzheimer bei den Betroffenen oft so unterschiedlich entwickelt“, so die Forscher. Pilzinfektionen verlaufen häufig langsam, was gleichermaßen für Alzheimer gilt – diese Parallele brachte die Mediziner überhaupt erst dazu, gezielt nach Pilzzellen im Hirngewebe zu suchen.

Zuvor waren bereits mehrfach Viren oder Bakterien im Gehirn von Alzheimerpatienten nachgewiesen worden und als Auslöser in Verdacht geraten, darunter Herpesviren und Viren, die Lungenentzündung auslösen. Zudem wiesen Carrasco und Kollegen auch im Hirngewebe von ALS-Patienten – einer weiteren schweren Erkrankung von Nervenzellen – entsprechende Pilzspuren nach.

"Höchst spekulative" Schlussfolgerungen
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